Hörbuchrezension: Annette Mingels–Was alles war

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Annette Mingels – Was alles war

Gelesen von Ulrike C. Tscharre

Vollständige Lesung

Laufzeit: 7 CDs ; 457 min

Preis: € 19,99 [D] | € 22,50 [A] | CHF 28,50

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Verlagstext:

Wo schlägt das Herz einer Familie?

Dass sie adoptiert wurde, weiß Susa seit ihrer Kindheit. Es hat sie nie gestört, schließlich haben sich ihre Eltern ganz bewusst für sie entschieden, sie stets umsorgt und geliebt. Deshalb lässt sie die erste Begegnung mit ihrer leiblichen Mutter auch eher kalt. Doch das Treffen setzt etwas anderes in Bewegung: Plötzlich sehnt sich Susa danach, ihre Brüder und ihren biologischen Vater kennenzulernen. Verrät sie damit ihre Adoptiveltern? Die Frage, was Familie wirklich ausmacht, wird immer drängender.


Mein Eindruck:

Wie begegnet man seiner leiblichen Mutter? Welche Erwartungen hat man und welche Gefühle lösen diese bei einem aus? Susa legt keine großen Erwartungen in dieses erste Treffen. Findet ihre Mutter nett, aber auch sehr ich-bezogen, hat den Eindruck alles muss sich um sie drehen, giert nach Aufmerksamkeit. Und doch erkennt sie sich in diesem Gehabe irgendwie wieder, das sie gehofft hatte mit den Jahren abgelegt zu haben. Ihre Mutter ist ein Lebemensch, genießt das hier und jetzt. Susa ist ihr dankbar für ihre Entscheidung, sie zur Adoption frei gegen zu haben. Sie hat die liebevollsten Eltern bekommen, die sie sich vorstellen kann und noch dazu eine wunderbare Schwester. Doch die Begegnung löst irgendwann auch den Wunsch aus ihre Brüder kennen zu lernen. Den Vater nicht so sehr, denn würde sie damit nicht ihren Papa verraten?

Man durchlebt in dieser Geschichte nicht nur Susas Gefühlswelt was ihre leibliche Mutter anbelangt. Auch wie sie ihren Brüdern begegnet und vor allem den traurigen familiären Verlauf der Handlung. Der Papa wird schwer krank, diese Situation bildet auch einen zentralen Punkt. Wie die Familie und vor allem Susa mit dieser Lebenslage umgeht. Dann ist da noch ihr Partner Henryk mit seinen zwei Töchtern. Nach der Hochzeit kommt noch ein gemeinsames Kind hinzu. Susa möchte weiterhin arbeiten, doch auch Henryk will seine Karriere vorantreiben. Eine schwierige Lage folgt auf die Nächste. Schließlich entscheidet sich Susa doch noch nach ihrem biologischen Vater zu suchen und reist in die USA. Dieses Aufeinandertreffen hat mich etwas verwirrt, entpuppte sich aber dann als gewollte Lüge von Susa. Alles wieder im Fluss. Dieses Treffen veranlasst Susa auch ihre Partnerschaft und ihr weiteres Leben zu überdenken.

Annette Mingels wurde selber als Baby adoptiert. Im Begleitheftchen zum Hörbuch erzählt sie von ihrer Mutter, der ersten Begegnung und den darauf folgenden, welche Gefühle diese bei ihr hervorrief und wie ihre Adoptiveltern mit ihr umgingen, wie sie sich entwickelt hat, der Begegnung mit ihren Brüdern. All diese Komponenten sind auch etwas abweichend in der Geschichte vorhanden.

Ulrike C. Tscharre hat die Geschichte auf ganz wunderbare Weise eingesprochen. Ihrer Stimme hört man gerne zu. Sie versteht es auf recht unspektakuläre  Art und Weise das Geschehen lebendig darzustellen.

Mein Fazit:

Die Autorin hat ihre eigenen Erfahrungen in der Geschichte wunderbar umgesetzt. Vieles darin findet man oft in den eigenen Kreisen wieder, besonders wenn es um Familie geht. Den Wunsch nach Harmonie, alles Richtig zu machen und doch auch mal egoistisch zu sein und nur mal auf sich zu achten. Ein sehr schöner Roman, den man nicht so schnell vergisst.


Das Hörbuch bekommt von mir Red roseRed roseRed roseRed rose von Red roseRed roseRed roseRed roseRed rose.

Herzlichen Dank an der Hörverlag für das kostenlose Hörexemplar!



Rezension: Tammy Cohen-Du stirbst nicht allein

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Tammy Cohen – Du stirbst nicht allein

Psychothriller

400 Seiten

Preis: € 9,99 [D] | € 10,30 [A] | CHF 13,90

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Verlagstext:
Vier tote Mädchen. Vier trauernde Familien. Ein Killer auf freiem Fuß.

Vor vier Jahren erschütterte der Mord an der siebenjährigen Megan Purvis ganz London. Die Leiche des Mädchens wurde in einem abgelegenen Waldstück gefunden, auf ihrem nackten Schenkel stand das Wort »Sorry«. Zwei Jahre später verschwand Tilly Reid, auch ihre Leiche wurde gezeichnet und im Wald gefunden. Vierzehn Monate danach fand man erneut eine Mädchenleiche. Der Mörder der drei wurde nie gefasst. Und nun ist die kleine Poppy Glover verschwunden …


Mein Eindruck:

Tammy Cohens ersten Psychothriller „Während du stirbst“ war von der Spannung her zwar eher flach gehalten, doch mit seinen Drehungen und Wendungen, fand ich ihn doch noch recht lesenswert. Entsprechend neugierig war ich dann auf ihr neues Werk.

Nach dem die kleine Poppy Glover spurlos verschwunden ist, wird das frühere Krisenteam wieder zusammengerufen. Da die Vermutung nahe liegt, dass es sich um den selben Täter handelt, welcher bereits die früheren Opfer auf dem Gewissen hat, werden auch die Eltern dieser Mädchen in die Recherche mit einbezogen. Die Mutter des ersten Opfers, hat für sich und die anderen Eltern eine Selbsthilfegruppe gegründet um mit dem Geschehenen besser zurecht zukommen. Das Verschwinden des kleinen Mädchen, reißt bei allen Beteiligten die Wunden wieder auf und jeder versucht auf seine eigen Art und Weise mit den Vorkommnissen zurecht zu kommen. Während Megan Purvis‘ Mutter Treffen der Selbsthilfegruppe organisiert, stecken die Reids in einer tiefen ehelichen Krise. Und die Millers, Eltern des dritten Opfers, wollen weg und woanders neu anfangen. Am meisten Leiden an der Situation aber Megans älterer Bruder Rory, der sich die Schuld am Tod der Schwester gibt, und Tillys ältere Schwester Jemima. Sie fühlen sich von den Treffen überfordert, wollen nicht immer an das Grauenhafte erinnert werden. Während Rory seiner Mutter aber nicht noch unnötig Kummer bereiten will, und mehr oder weniger folgsam ist, lässt Jemima ihren Frust und ihren Groll besonders die Mutter spüren.

Die Polizei ermittelt während dessen in alle Richtungen, geht Informationen nach und kommt doch keinen Schritt weiter. Durch das Melden einer besorgten Lehrerin rückt einer der Väter in den Mittelpunkt. Dann taucht eine weitere Zeugin auf, und die Suche nach dem Täter beginnt von vorne. Als dann auch noch Informationen an die Medien weitergegen werden, vermuten die Ermittler ein internes Leck. Um die Bevölkerung nicht gegen sich zu haben, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, denn der Mörder könnte sich jederzeit das nächste Mädchen holen….

Die Erzählstränge wechseln sich mit den hauptbeteiligten Personen ab und sind so konstruiert, dass man den Geschehnissen als Leser doch sehr nahe ist. Richtige Spannung kommt eher wenig auf, die psychische Belastung, die die Eltern und Geschwister der Opfer durchleben, sind aber sehr gut ausgearbeitet und man kann sich gut in sie hineinversetzten. Kindsmord und Pädophilie ist keine leichte Kost. Tammy Cohen bearbeitet die Thematik aber weder aufdringlich noch stark akzentuiert. Das Hauptaugenmerk ist auf die Ermittlungen und auf die Gefühlswelt der Eltern gerichtet. Durch einige Wendungen und neue Erkenntnisse liest sich der Psychothriller ganz gut, ist aber kein wirklicher Pageturner. Die Geschichte beinhaltet sehr viele unterschiedliche Charaktere in die man sich ganz gut hinein versetzten kann, die aber doch auch sehr oberflächlich wirken.

Mein Fazit:

Ein Psychothriller mit wenig Spannung,  mit einigen überraschenden Wendung und einem schockierenden Ende. Persönlich fand ich den Aufbau und die sich abwechselnden Szenarien zwar recht unterhaltsam. Die Charaktere waren zwar recht unterschiedlich in ihren Persönlichkeiten, mir fehlte aber diese Leser-zu-Charakter-Beziehung um den Protagonisten Sympathie oder Antipathie entgegenzubringen. Ein gut zu lesender Roman, der mich aber leider, trotz des brisanten Inhalts, nicht ganz überzeugen konnte.


Von mir bekommt der Psychothriller Red roseRed roseRed rose von Red roseRed roseRed roseRed roseRed rose.

Herzlichen Dank an Blanvalet  für dieses persönliche Leseexemplar!


Rezension: Chris Cleave–Die Liebe in diesen Zeiten

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Chris Cleave – Die Liebe in diesen Zeiten

Roman

496 Seiten

Preis: € 16,90 € [D] /17,40 € [A]

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Verlagstext:

Eine große Liebesgeschichte in Zeiten des Krieges

Mary North ist jung, hübsch und aus guter Familie. In ihrem ganzen Leben musste sie noch nichts Schwereres heben als ein Cocktailglas. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs meldet sie sich impulsiv und voller Enthusiasmus in London zur Truppenunterstützung. Sie wird allerdings ganz unheroisch nur als Hilfslehrerin an einer Schule eingesetzt. Dabei lernt sie Tom kennen, der bei der Schulbehörde arbeitet. Sie fühlen sich sofort zueinander hingezogen … Aber ihre Verlobung begegnet größeren Hindernissen als nur dem Widerstand von Marys Familie. Denn eines Tages kommt Toms Freund Alistair, der sich freiwillig gemeldet hat, auf Heimaturlaub, und sein Zusammentreffen mit Mary löst in ihnen beiden heftige, nie gekannte Gefühle aus. Doch sie werden einander so bald nicht wiedersehen. Briefe sind ihre einzige Möglichkeit, in Verbindung zu bleiben. Und bald überschattet das Drama des Krieges alles andere. Mary und Alistair sehen sich Erfahrungen ausgesetzt, die in ihrem Grauen fast unwirklich erscheinen. Wie lange werden sie noch aneinander Halt finden können?


Mein Eindruck:

Der Verlagstext trifft den Inhalt der Geschichte zwar recht gut, der Verlauf ist aber doch ganz anders wie oben dargestellt. Der Roman ist alles andere als nur eine tragische Liebesgeschichte in der zwei Menschen der Sehnsucht nach dem Anderen nachhängen. Ein Roman über Liebe, Freundschaft, Mut und Verlust in Zeiten des Krieges, so steht es am Buchrücken. Das beschreibt in wenigen Worten diese großartige Geschichte genau.

Mary und Alistair, die beiden Hauptfiguren, treffen erst kurz vor Ende des ersten Drittels aufeinander. Er ist sofort fasziniert von der jungen Frau, die Freundin seines besten Freundes, die er sich so ganz anders vorgestellt hat. Auch Mary findet Alistair interessant, doch liebt sie Tom und die Hochzeit ist schon geplant. Die Wege der Beiden trennen sich nach nur wenigen Stunden. Er muss zurück zu seiner Einheit an die Front und sie zu ihrer Aufgabe als Hilfslehrerin. Viele der Kinder – die Hübschen, Klugen und Gesunden – wurden von der Behörde vorsorglich aufs Land in Sicherheit gebracht. Doch die weniger Hübschen, die Krüppel, die Kranken und die Schwarzen wurden zurück gelassen. Diese Situation ist für Mary untragbar und sie beschließt mit Toms Hilfe, diese Kinder weiterhin zu unterrichten. Während einer verheerenden Bombennacht, stirbt Tom. Nach Monaten der Trauer fängt Mary an Alistair zu schreiben. Dieser ist auf Malta stationiert und erlebt dort die Grausamkeiten des Krieges. Luftangriffe stehen an der Tagesordnung, der Seeweg ist blockiert, sodass die Menschen irgendwann fast am Verhungern sind, nur wenige Versorgungsflüge erreichen die Insel. Als Alistair eines Tages einem abgestürzten Piloten beistehen möchte, verletzt ihn dieser schwer an der Hand. Monate später kommt er endlich mit Hilfe eines Vorgesetzten auf einen Rettungsflug. Doch wird er die Heimat nicht erreichen…..

Man möchte sich diese schlimme Zeit mit all ihren Grausamkeiten gar nicht vorstellen, doch ist es in der Geschichte so bildhaft dargestellt, dass man gar nicht darum herum kommt. Auch kaum vorstellbar dieser Enthusiasmus den die Menschen, vor allem die Zivilbevölkerung, entwickelt haben ist kaum vorstellbar. Der Glaube der Leute daran, dass dieser Krieg nur von kurzer Dauer und die Nazis im Null Komma Nix wieder in ihre Schranken gewiesen werden, war schon erschreckend. Mary und Alistair verkörpern diese Euphorie und Überzeugung auf sehr realistische Weise. Während Alistair bereits bei seiner Ausbildung zum Soldaten erkennen musste, wie falsch er mit seiner Meinung lag, erfasste Mary erst viel Später, nach Toms Tod und der Zerstörung der Stadt, welchem Irrglauben sie verfallen war. Als Leser wird man tief in die Geschehnisse um die beiden Hauptfiguren hineingezogen. Man erlebt die Schrecken, aber auch die schönen Momente dieser Zeit hautnah mit. Die Frontszenen auf Malta sind schrecklich. Der Großvater des Autors erlebte die Angriffe der Deutschen und die Hungersnot am eigenen Leib. Der Roman birgt auch etwas Autobiographisches in sich. Dies und die Entstehung des Romans erfährt man im Nachwort des Autors. Es sorgte bei mir dafür, sich das Gelesene noch einmal durch den Kopf gehen zu lassen. Die Schrecken Revue passieren zu lassen, und sich die Menschen dieser Zeit vor Augen zu führen.

Den deutschen Titel finde ich zu simpel gehalten und passt nicht wirklich zum Verlauf der Geschichte. “Everyone Brave Is Forgiven” – “Jedem Mutigen ist vergeben” – ja klingt auf Englisch einfach besser. Auf dem Cover die Zerstörung, bis auf den Briefkasten in den die junge chique gekleidete Frau ihre Post einwerfen will, gefällt mir recht gut. Der Hut kommt meiner Erinnerung nach auch in der Geschichte vor.

Mein Fazit:

Ein Roman der mir regelrecht unter die Haut gegangen ist. Der kein Blatt vor den Mund nimmt, Ausdrücke verwendet die heute auf gar keinen Fall mehr gebraucht werden sollen/dürfen, die schrecklichen Zeiten auf eindrückliche und bedrückende Weise darstellen. Ein Roman der von der Sprache her einfach zu lesen ist, den man aber nach der letzten Seite nicht einfach zuklappt und vergisst!


Von mir bekommt der Roman Red roseRed roseRed roseRed rose von Red roseRed roseRed roseRed roseRed rose.


Das Buch habe ich bei lb-logofür eine Leserunde gewonnen!

Herzlichen Dank an den dtv Verlag!



Ich hab mein Herz in …. Heidelberg … und auch anderswo verloren

Einige meiner Mitreisenden ließen diesen Satz fallen,  als wir den ersten Blick auf Heidelberg werfen konnten. Ich kannte und kenne das Lied zwar nicht, finde ihn aber passend. Heidelberg ist eine wunderschöne Stadt, einen Besuch oder eine Reise wert, nicht nur für kulturell Interessierte. Auch Landschaftlich hat die Gegend seinen Reitz.

Aber erst mal ein dickes Hallo! Jetzt war es ja einmal ein paar Tage ruhiger. Die letzte Woche war recht anstrengend, also im Sinne von Tage voller Aktivität und da war einfach kein Platz mehr für Schreiben. Erst ein paar Tage Schulung am schönen Wolfgangsee, dann ein Tag Arbeit und dann eine Zwei-Tagesfahrt nach Heidelberg. Eine Woche also wie man es sich nicht besser wünschen kann. Der Wolfgangsee zeigte sich auch von seiner schönsten Seite und so waren die Schulungstage fast wie Urlaub. Der kurze Abstecher zur Arbeit war dann auch nicht mühsam und das Aufstehen am Freitag um halb vier Uhr in der Früh um rechtzeitig zum Reisebus nach Heidelberg zu gelangen viel auch nicht so schwer Smile.

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Unser erster Stopp war in  Stuttgart. Dort hatten wir etwas Zeit um uns die Beine in der Stadt zu vertreten, bevor wir die 2011 neu erbaute Stadtbibliothek am Mailänderplatz besuchten. Leider empfing uns Stuttgart mit Regen, also zogen wir es vor, nach einem Abstecher durch die tolle Markthalle mit ihren vielen Köstlichkeiten,  uns mit einer Ladung Kaffee oder Tee die Müdigkeit aus den Adern zu puschen. In der Stadtbibliothek hatten wir dann eine Führung. Eine wirklich tolle Einrichtung für eine große Stadt, mit vielen Möglichkeiten der Nutzung, sieht man mal vom Lesenutzen ab. Es werden ja über das Jahr hindurch zahlreiche Veranstaltungen in dem Gebäude ausgeführt. Also ich wüsste schon wie ich meine Freizeit in Stuttgart verbringen könnte Winking smile.

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Am nächsten Tag weckte mich die Sonne schon früh und nichts hielt mich mehr in den Federn. Alle anderen schliefen noch tief und fest, aber mich zog es in die noch ruhigen Straßen von Heidelberg. In dieser kurzen halben Stunde kann ich schon sagen, hab ich mein Herz ein bisschen an Heidelberg verloren. So ohne Menschenmassen in den Straßen und Gassen zeigte sich die Stadt von ihrer charmantesten und schönsten Seite. Früh aufstehen bei Stadtbesichtigungen kann ich im allgemeinen empfehlen. Es lohnt sich fast immer die ruhigen Morgenstunden für einen Streifzug durch die Gegend zu machen, egal wo!

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Nach dem verdienten Frühstück, wartete die Stadtführung auf uns. Nach dem Abstecher in den wunderschönen ehemaligen Lesesaal der Universität seilten wir vier uns aber ab. Die Führerin war zwar sehr kompetent, hatte viel Fachwissen vorzuweisen und sprach auch gut verständlich, allerdings auch sehr leise. Das konzentriert zuhören war uns einfach zu mühsam und da am Abend eh noch eine Führung mit dem Nachtwächter auf dem Programm stand, hatten wir kein schlechtes Gewissen uns vom Rest der Truppe zu trennen.

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Nach der Bibliothek, in der eine interessante Ausstellung alter Schriften zu bewundern ist, den wunderschönen Kirchen und dem – mittlerweile – großem Gewusel in der Fußgängerzone der Altstadt, wollten wir natürlich auch noch auf den Schlossberg. Dort hinauf gelangt man mehr oder weniger gemütlich mit der Bergbahn, wenn man denn genug Muße hat und sich in einer gefühlt Kilometer langen Schlange anstellen will. Oder man geht die paar 100 Höhenmeter auf zwei Beinen hinauf. Mein Kollege und ich entschlossen uns für letzteres und wählten den Aufstieg mit den 300 Stufen. Kein Problem wenn man halbwegs fit ist Open-mouthed smile.

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Oben hat man einen wunderschönen Ausblick über Heidelberg und das flache Hinterland. Der schöne Schlossgarten lädt zum Verweilen ein und wer möchte kann auch das Schloss besichtigen. Das haben wir uns aber erspart. Am Späten Nachmittag genossen wir dann noch eine Schifffahrt auf dem Necker. Die sanften Hügel, der dichte Wald und die darin versteckten Häuser und Burgen waren einfach nur schön anzusehen.

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Tags darauf hieß es dann auch schon wieder Abschied nehmen von Heidelberg. Der Weg nach Hause führte uns noch nach Ulm. Auch dort wartete eine Stadtführung auf uns. Diesmal seilten wir uns aber nicht ab. Das Ulmer Münster ist schon sehenswert. Die Größe beeindruckend, nicht nur von außen. Wunderschöne Häuser findet man in der Altstadt, ob mit fantastischer Fassadenmalerei oder Fachwerk. Ganz besonders schön und etwas versteckt, das Fischerviertel. Mit seinen zahlreichen Restaurants und Gastgärten lädt es auch zum Verweilen und Innehalten an.

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Nun hat mich der Alltag also wieder. Ich denke aber noch oft und gerne an die paar Tage in Heidelberg. Ich hab nicht nur viel Neues gesehen und einiges an Geschichte erfahren, auch hab ich die Zeit mit netten Menschen verbringen dürfen, bekannten und neuen. Eine weitere Bereicherung in meinem Leben Smile.

Hörbuchrezension: Maja Lunde–Die Geschichte der Bienen

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Maja Lunde – Die Geschichte der Bienen

Gelesen von Bibiana Beglau, Markus Fennert, Thomas M. Meinhard

Gekürzte Lesung

1 mp3-CD ; Laufzeit 10 h 2 min.

Preis: € 19,99 [D]* | € 22,50 [A]* | CHF 28,50

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Verlagstext:
Von Bienen und Menschen

England, 1852: William, Biologe, Samenhändler und Vater von acht Kindern, verlässt seit Wochen nicht sein Bett. Das Geschäft liegt brach. Doch eine Idee könnte alles verändern: ein völlig neuartiger Bienenstock. Ohio, 2007: Der Imker George arbeitet hart für seinen Traum. Der Hof soll größer werden, sein Sohn Tom eines Tages übernehmen. Der aber träumt vom Journalismus. Plötzlich geschieht das Unglaubliche: Die Bienen verschwinden. China, 2098: Die Arbeiterin Tao bestäubt von Hand Bäume, denn Bienen gibt es längst nicht mehr. Mehr als alles andere wünscht sie sich ein besseres Leben für ihren Sohn. Doch dann steht alles auf dem Spiel.


Mein Eindruck:

In der Geschichte dreht sich alles um die Bienen, um die Menschen, welche mit sie erforschen und mit ihnen Arbeiten und das Überleben, wenn die Biene ausgestorben ist. Dann gibt es nämlich keine Blumenwiesen mehr, auch keine Artenvielfalt bei den Tieren und kaum noch Nahrung. Dies Szenarien sind alle unterschiedlich: William erforsch die Bienen, wie sie leben, und sucht nach einer Idee um sein Geschäft wieder anzukurbeln.   Nach sieben Töchtern setzt er all seine Zukunftshoffnung in seinen Sohn. Auch George setzt all seine Hoffnungen in seinen Sohn Tom. Doch der will von den Bienen und der Imkerei nichts wissen. George versucht mit allen Mitteln ihn umzustimmen, doch als die ersten Bienenvölker sterben beginnt für ihn der Kampf ums geschäftliche Überleben. Doch alle Mühen sind umsonst. Verbittert muss George aufgeben und hoffen, sich und seine Familie nicht ganz in den Ruin getrieben zu haben. Die bedeutungsvollste Sequenz davon war für mich Taos Geschichte.

Die Bienen sind ein wichtiger Bestandteil des Lebens. Ohne die Bienen wird das Leben für uns Menschen kaum möglich sein. Das ist in diesem Roman auf ganz eindringliche Weise durch Taos Geschichte dargestellt. Die Lebensmittel sind eingeschränkt. Die Menschen arbeiten um zu überleben. Alte gibt es kaum noch. Nur noch junge und gesunde Menschen erhalten das nötigste zum Überleben. Dies erkennt Tao allerdings erst, als sie sich auf die Suche nach ihrem Sohnes macht. Denn er wurde, nachdem er erkrankt ist, von den Behörden nach Peking gebracht. Als Tao in die Stadt kommt, sind dort kaum noch Menschen, nur noch halb verhungerte Jugendliche und Alte, die zum Sterben zurückgelassen wurden. Von ihrem Sohn aber keine Spur. Was ist ihm zugestoßen? Warum ist er von einem Moment auf den Nächsten so krank geworden? Diese Frage lässt Tao nicht los und sie beginnt in einer Bibliothek nach Antworten zu suchen. Und sie findet sie und erhält plötzlich das Wissen, wie man die Menschheit retten kann. Denn was ihrem Sohn passiert ist, erklärt die Vorkommnisse im Wald ihres Heimatdorfes ….

Die drei Erzählstränge sind sehr komplex und wechseln sich immer wieder ab. Als Zuhörer erfährt man einiges über Bienen, über ihr Wesen und über die Arbeit mit ihnen und natürlich welcher Lebensgrundlage wir Menschen uns selber berauben, wenn es die Bienen nicht mehr gibt. Der Roman schildert eindringlich was auf zukünftige Generationen zukommen wird, wenn es die summenden Honigsammler nicht mehr gibt. Der Autorin ist es ganz gut gelungen eine anschauliche Geschichte aus sachlichem Wissen und nachweisbaren Erkenntnissen zu kreieren.

Durch die drei unterschiedlichen Stimmen viel es auch mir als Zuhörer leicht, dieser doch recht verflochtenen Geschichte,  zu folgen. Die drei Handlungsstränge sind für sich schon sehr interessant und fügen sich, auch wenn sie durch die Zeit voneinander getrennt sind, gekonnt zusammen.

Das Cover minimalistisch einfach. Es braucht aber auch nicht mehr um die Kernaussage zu treffen!

Mein Fazit:

Ein lange nachhallender Roman, der dazu anregt sich mit dem Bienensterben und den Folgen auseinanderzusetzten. Er schreit geradezu nach einem Umdenken und Umschwenken, was den Umgang mit der Natur betrifft. Welche Auswirkungen Umweltgifte, Chemie und Pestizide auf das Leben und in diesem Fall auf die Bienen im Besonderen hat und mit welchen Konsequenzen die Menschheit früher oder später zu rechnen hat. Ja, es ist ein Roman, doch auch in Sachbüchern kann man es schon nachlesen und aufgeschnappt haben es sicherlich auch die meisten schon: “Stirbt die Bien aus, stirbt auch der Mensch!”. Es wird höchste Zeit umzudenken! Kein Sachbuch, aber ein wichtiges Buch – unbedingt lesen oder hören!


Weil es sich um eine gekürzte Lesung handelt, bekommt das Hörbuch Red roseRed roseRed roseRed rose von Red roseRed roseRed roseRed roseRed rose, ansonsten hätte es die volle Punktezahl erreicht!

Herzlichen Dank an der Hörverlag für dieses persönliche Hörexemplar!

 

 

 


Rezension: Kristina Günak-Wer weiß schon wie man Liebe schreibt

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Kristina Günak – Wer weiß schon, wie man Liebe schreibt

Roman

287 Seiten

Preis: € 10,00 [D] / 10,30 [A]

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Verlagstext:

Bea Weidemann kann es nicht fassen: Schlimm genug, dass ihr kleiner Verlag in finanziellen Schwierigkeiten steckt. Aber dass sie nun als Tim Bergmanns persönliche Anstandsdame abgestellt wird und mit ihm den Verlag retten soll, ist einfach zu viel für die junge PR-Referentin. Denn der schwierige Bestseller-Autor lässt sich von nichts und niemandem etwas vorschreiben – und ist genau die Sorte Mann, um die Bea sonst einen weiten Bogen macht. Herzklopfen hin oder her. Doch während sie versucht, das Chaos von Tim – und sich – abzuwenden, merkt sie bald, dass auch die Liebe absolut nichts von ihren Plänen hält –
„Lach- und Glücksgarantie! Die perfekte Mischung aus Witz, Gefühl und umwerfendem Charme“ Literaturmarkt


Mein Eindruck:

Endlich wieder einmal ein netter Roman, der ohne die üblichen 08/15 Liebesromanzen Klischees auskommt. Endlich wieder einmal eine Geschichte, die neben einer guten Portion Humor und Situationskomik, auch ein ernsthaftes Thema anschneidet.

Bea Weidemann ist nicht nur PR-Referentin, sie ist auch keine Nein-Sagerin. Tritt jemand mit einer Bitte an sie heran oder fragt sie nach einem Gefallen, dann kann Bea einfach nicht Nein sagen. Egal wie stressig ihr eigenes Leben gerade ist, Bea hilft immer und überall. Ihre Familie und ihre Kollegen, denken sich vielleicht gar nichts böses dabei, irgendwann ist es wohl zur Selbstverständlichkeit für alle geworden und Bea kann auch nicht aus ihrer Haut. Erst Tim Bergmann, der ganz und gar nichts damit am Hut hat jedem alles Recht zu machen, begreift die junge Frau, dass man auch mal nur an sich denken soll und auch mal “nein” sagen darf.

Mir waren beide Protagonisten gleich sympathisch. Bea, die mit ihrem Perfektionismus und ihrem Hang jedem alles Recht machen zu wollen oder zu müssen, auf der einen Seite und Tim, der sein Herz auf der Zunge trägt und so manchen vor den Kopf stößt, könnten unterschiedlicher nicht sein. Aber gerade dieser Kontrast sorgt für den nötigen Wirbel und Witz in der Geschichte. So unterschiedlich die Beiden auch sind, so gut harmonierten diese Unterschiede auch. Es wäre doch langweilig, wenn gleich beim ersten Kennenlernen der Liebesblitz eingeschlagen hätte.  Sozialkritische Situationen kommen auch in der Handlung vor, spielen aber leider nur eine untergeordnete Rolle. Diese sorgten zwar dafür, dass der Roman kein oberflächlicher Liebesroman wurde, hätten aber durchaus noch etwas ausführlicher und intensivere Betrachtung verdient.

Dies war mein erster Roman von Kristina Günak und er hat mich doch überrascht. Ihr Schreibstil ist sehr unterhaltsam. Sie kombiniert einen leichte lockere Situationen mit Ernsthaften. Witz, Humor und harte Realitäten wechseln sich geschickt ab.

Mein Fazit:

Ein Anti-Falten-Training für das Gesicht ist dieser Roman. So oft gelacht und gegrinst habe ich schon lange nicht mehr beim Lesen. Einfach herrlich, einfach nur mal ohne groß über gelesenes nachdenken zu müssen, einfach nur zum Entspannen schön!


Von mir bekommt der Roman Red roseRed roseRed roseRed rose von Red roseRed roseRed roseRed roseRed rose.

Herzlichen dank an Bastei Lübbe für dieses persönliche Leseexemplar!

Hörbuchrezension: Clair Fuller-Eine englische Ehe

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Clair Fuller – Eine englische Ehe

Gelesen von Heikko Deutschmann und Leslie Malton

8 CDs ; Laufzeit 596 min.

Preis: € 22,00 [D] |  24,70 [A]

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Verlagstext:

Die neueste Entdeckung der englischen Literatur

Eigentlich hatte sie andere Pläne. Ein selbstbestimmtes Leben, Reisen, vielleicht eine Karriere als Schriftstellerin. Doch Ingrid wirft alles über Bord, als sie sich in ihren Literaturprofessor Gil Coleman verliebt und von ihm schwanger wird. Gil liebt seine junge Frau, und dennoch betrügt er sie, lässt sie viel zu oft mit den Kindern in dem kleinen Ort an der englischen Küste allein. In ihren schlaflosen Nächten beginnt Ingrid, Gil heimlich Briefe zu schreiben. Statt ihm ihre innersten Gedanken anzuvertrauen, steckt sie ihre Briefe in die Bücher seiner Bibliothek, bis sie eines Tages auf rätselhafte Weise verschwindet. Zwölf Jahre später glaubt Gil, seine Frau wieder gesehen zu haben – und ihre gemeinsame Tochter Flora, hin und her gerissen zwischen Hoffnung und Verzweiflung, beginnt nach Antworten zu suchen, ohne zu ahnen, dass sie nur die Bücher ihres Vaters aufschlagen müsste, um sie zu erhalten.

So englisch wie Jane Gardam, so intensiv wie Elena Ferrante – hochkarätig besetzte Lesung mit Heikko Deutschmann und Leslie Malton.


Mein Eindruck:

Ich muss gestehen ich kam nicht ganz leicht in die Geschichte hinein. Die Handlung ist in drei unterschiedlichen Erzählsträngen aufgeteilt. Einmal in Gil Colemans und seiner Töchter Gegenwart, dann die Briefe die Ingrid geschrieben hat und schließlich erzählt Ingrid auch noch ihre Geschichte vom Kennenlernen bis hin zur Ehe und dem Kinder kriegen. Dieser Erzählstrang bereitete mir echte Schwierigkeiten. Ich empfand die Zeitform als störend und konnte mich ganz schlecht darauf einlassen. Die Geschichte selber fand ich sehr schön, anspruchsvoll und nichts was man mal schnell nebenbei in sich aufnimmt.

Gil Coleman beschäftig sich gerade mit Büchern als er einen Blick aus dem Fenster wirft und auf der Straße seine Frau sieht, die zwölf Jahre zuvor spurlos verschwunden ist. Er folgt ihr um sie zur Rede zu stellen und verletzt sich dabei schwer. Seine zwei Töchter pflegen ihn dann zu Haus.  Während die ältere die Begegnung mit Ingrid keine Minute lang glaubt, klammert sich Flora daran fest und hofft auch ihre Mutter möge wieder aufgetaucht sein.

Durch die Briefe, die in der Zeit entstanden als Ingrid bereits Mutter war, und Ingrids Erzählung aus der Vergangenheit bekommt man allmählich ein gutes Bild von diesem  Beziehungs-, Ehe- und Familiendrama. Auch wenn mir die Zeitform in Ingrids Part nicht ganz zusagte, konnte ich mich mit jeder Minute besser in sie hineinversetzen und ihre Gefühlswelt verstehen. Sie erzählt die Jahre des Kennenlernens und Zusammenleben mit Gil. Es ist eine Zeit, als Frauen die Freiheit für sich beanspruchten zu studieren, fernab von Kind und Familie. Ingrid wollte beides, bekam aber nicht die Chance dafür. Für Gil gab sie ihre eigenen Träume auf, hatte schließlich zwei kleine Kinder zu versorgen, einen Ehemann der wenig zu Hause war und sie auch immer wieder betrog.

Als Zuhörer fragt man sich immer wieder, was ist mit Ingrid passiert. Ist sie tatsächlich verschwunden, weil sie nicht mehr weiterwusste. Was steckt dahinter? Die Auflösung ist gut und selbst erklärend, wenig tröstlich aber passend.

Heikko Deutschmann hat mich ja schon früher von seiner Qualität als Hörbuchsprecher überzeugt. Seine Art des Erzählens, dem Spielen mit den Tonlagen, das gefällt mir einfach und lässt mich in die Geschichte hineinfallen.

Leslie Malton hat auch eine sehr angenehme Stimmfarbe, ihre Art des Erzählens fand ich ab und an aber recht langweilig. Ich mag es, wenn man unterschiedliche Gemütslagen auch entsprechend heraushört. Da hat sie sich doch etwas zurückhaltender gegeben.

Mein Fazit:

Ein wirklich gelungener anspruchsvoller Roman, über eine Beziehung bzw. eine Ehe, die eigentlich sehr harmonisch ist. Es braucht nicht immer Brutalität um ein Drama auszulösen. Das ist in dieser Geschichte sehr gut dargestellt. Die Zeit in der sich die Beziehung abspielte, war eine Zeit in der man als Frau einen Ausweg aus einer Ehe mit Kindern kaum fand. Ingrid war als gefangen, ihre Ausweg aus der Beziehung war so wohl nicht gewollt, gibt dem Roman aber die passende Dramatik.


Von mir bekommt das Hörbuch Red roseRed roseRed roseRed rose von Red roseRed roseRed roseRed roseRed rose.

Herzlichen Dank an Hörbuch Hamburg für dieses persönliche Hörexemplar!