Hörbuchrezension: Toni Morrison-Gott, hilf dem Kind


Unbenannt

Toni Morrison – Gott, hilf dem Kind

Gelesen von Nina Kunzendorf

Ungekürzte Lesung

4 CDs ; Laufzeit 4 h 44 min

Preis: € 19,95 [D] / 19,99 [A]

Hörbuchinfo Verlagsseite


Verlagstext:

Lula Ann ist solch ein tiefschwarzes Baby, dass ihre Mutter bei der Geburt fast zu Tode erschrickt und der Vater die junge Familie verlässt, weil er das Kind nicht als seines anerkennen kann. Die Mutter zieht Lula Ann allein groß und lehrt sie Gehorsam und Unterwürfigkeit. Doch die heranwachsende Tochter sträubt sich gegen die verordnete Angepasstheit. Sie ändert ihren Namen, kleidet sich in strahlendes Weiß, macht Karriere und befreit sich auf ihre Weise von der Vergangenheit. Zwei starke Frauen, zwei verschiedene Arten, sich zu schützen und gleichzeitig zu behaupten.


Mein Eindruck:

Wie reagiert eine Mutter, die es aufgrund ihrer Hautfarbe selber nicht immer leicht hat im Leben und in der Gesellschaft. Die weiß, dass was Rassismus ist. Die weiß, dass man sich nur durch anpassen, unterwürfig und gehorsam sein schützen kann. Wie reagiert nun diese Mutter, als sie merkt, dass ihr Baby nicht nur braun ist, sondern tiefschwarz. Sweetness ist entsetzt, kann es sich selber nicht erklären. Ihr Mann wirft ihr vor, ihn hintergangen zu haben, denn nie und nimmer kann dieses rabenschwarze Baby von ihm sein. Sweetness zieht also die kleine Lula Ann alleine groß. Schlägt sich mehr oder weniger gut durch das Leben und erzieht das Mädchen. Lula Ann wächst zu einer wunderschönen Frau heran, die sich von ihrer Mutter löst und in Kalifornien Karriere macht. Sie ändert ihren Namen in Bride, kleidet sich nur noch in Weiß und erhält durch diesen Kontrast zu ihrer tiefschwarzen Hautfarbe und ihrem atemberaubenden Aussehen Bewunderung und Anerkennung. Auch ihre große Liebe findet sie dort. Doch eines Tages verlässt Brooker sie mit den Worten “Du bist nicht die Frau die ich will.” Das ist der Moment in dem Bride’s glamouröse, taffe Fassade zu bröckeln beginnt und man sich als Zuhörer fragt, was steckt hinter dieser Aussage. Was ist da passiert? Was ist das für ein Mann, der die Frau, mit der er das Bett teilt, mit solchen Worten von sich stößt und einfach verschwindet?

Aufgebaut ist die relativ kurze Geschichte in mehrere Teile. Den Anfang macht Sweetness mit ihren Gedanken und Eindrücken zu Lula Ann. Wie sie gemerkt hat, dass das Baby anders ist und welche Überlegungen ihr durch den Kopf gingen, als sie sah wie sich die Farbe des Kindes verändert hat und es immer dunkler wurde. Wie der Vater darauf reagierte und wie sie sich schließlich mit Lula Ann allein durchschlug. In einer sozialen Schicht, wo man aufpassen muss, dass man nicht unter die Räder kommt. Geliebt hat sie Lula Ann wohl auf ihre ganz eigene Art, gezeigt hat sie das aber doch nicht. So war zumindest mein Eindruck. Eine Art Schutz für sich und für Lula Ann?

In Lula Anns Teil begibt man sich auf Spurensuche in die Vergangenheit. Auslöser dieser Spurensuche, ist ein gewaltsamer Übergriff an Lula Ann und das Verschwinden ihres Geliebten. Lula Anns Handlung kann man zu Beginn nicht nachvollziehen. Wieso tut sie, was sie tut? Erst allmählich dringt man zum Kern ihrer persönlichen Geschichte vor und alles lichtet sich. Man erfährt, was sich in ihrer Kindheit zugetragen hat und warum sie als Kind getan hat, was sie getan hat. Was, wie man später dann auch erfährt der Grund für Bookers Verschwinden ist.

Auf ihrer Suche nach Booker und auch nach sich selbst, lernt  sie die unterschiedlichsten Menschen kenn, mit all ihren Sorgen und Nöten. Und Bride muss feststellen, dass auch im Leben von Kindern und Frauen die nicht ihre Hautfarbe haben, nicht alles gut läuft. Dass auch die sich im Leben behaupten müssen und oft noch schlimmeres durchlebten als sie. Am Ende findet sie nicht nur Booker und die Erklärung zu seinem Verschwinden, am Ende findet Bride aber auch zu sich selber, nachdem sie ihr Leben quasi rückwärts aufgearbeitet hat.

Der Literaturnobelpreisträgerin Toni Morrison hat mit “Gott, hilf dem Kind” eine Geschichte geschrieben, die sich nicht einseitig nur um Rassendiskriminierung dreht. Nichts ist nur schwarz und weiß. Neben Bride und Sweetness erzählt die Geschichte auch noch von anderen Frauen unterschiedlichsten Alters, und von Brooker. Jeder hat etwas erlebt, jeder hat etwas zu sagen und kein Leben gleicht dem anderen. Toni Morrison gibt den unterschiedlichsten Charakteren in dieser Erzählung eine Stimme. Man erfährt was sie bewegt, was ihnen zugestoßen ist.

Nina Kunzendorf mag ich als Sprecherin sehr. Ihre Stimme passt zu der Handlung und zu den Charakteren. Sie versteht es, ihre leicht nuschelige Sprechweise (zumindest empfinde ich sie als leicht nuschelig) gut einzusetzen.

Das Cover passt zur Geschichte. Es zeigt die junge hübsche tiefschwarze Frau, die sich in ihrem weißen Kleid von dem hellen Hintergrund gut abhebt. Der Titel “Gott, hilf dem Kind” kommt auch am Ende der Erzählung vor.

Mein Fazit:

Eine tolle Geschichte, zu dessen Kern man erst langsam vordringt. All die Fragen, die sich einem anfangs stellen, werden nach und nach beantwortet. Wie immer im Leben ist auch hier nicht alles nur schwarz und weiß. Ein Ereignis ausgelöst durch einen schrecklichen Fehler in der Vergangenheit, bringt die Geschichte ins Rollen. Überraschende Wendungen, aber auch bedrückende Wahrheiten, nicht nur in Brides Leben, vereinen sich und öffnen den Blick auch auf die anderen Charaktere.


Von mir bekommt das Hörbuch Red roseRed roseRed roseRed roseRed rose von Red roseRed roseRed roseRed roseRed rose.

Herzlichen Dank an Argon Verlag für dieses persönliche Hörbuchexemplar!

 

 

 

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