Rezension: Stephan Lohse-Ein fauler Gott


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Stephan Lohse – Ein fauler Gott

Roman

336 Seiten

Preis: € 22,00 [D] / 22,70 [A] / 31,50 [sFr]

Buchinfo Verlagsseite


Verlagstext:
Vom Trost der Freundschaft und vom Glück der Normalität

Sommer 1972. Benjamin ist vor einigen Wochen elf geworden. Im nächsten Schuljahr wird er ein Herrenrad bekommen, eine Freundin und vielleicht eine tiefe Stimme. Doch dann stirbt sein kleiner Bruder Jonas. Nachts sitzt Bens Mutter auf einer Heizdecke und weint. Ben kommt nun extra pünktlich nach Hause, er spielt ihr auf der C-Flöte vor und unterhält sich mit ihr über den Archäopteryx. An Jonas denkt er immer seltener. Ben hat mit dem Leben zu tun, er muss für das Fußballtor wachsen, sein bester Freund erklärt ihm die Eierstöcke, und sein erster Kuss schmeckt nach Regenwurm. Mit seiner neuen Armbanduhr berechnet er die Zeit.

Voller Empathie und mit anrührender Komik erzählt Stephan Lohse in seinem Debütroman vom Aufwachsen Anfang der Siebzigerjahre, von Teenagernöten und dem Trost der Freundschaft. Vor allem aber erzählt er vom Mut und dem Einfallsreichtum eines Kindes, das seine Mutter das Trauern lehrt und ihr zeigt, dass das Glück, am Leben zu sein, auch noch dem größten Schmerz standhält.


Mein Eindruck:

So tragisch traurig die Geschichte ist, ist es doch auch schön in eine Zeit zurückversetzt zu werden, in der man selber seine Kindheit durchlebt hat. Stephan Lose schafft dies mit Leichtigkeit, in einfachen Worten, aus der Sicht eines 11-jährigen.

Der Tod reißt eine Lücke in das Leben jeden Menschen. Auch bei Ben und seiner Mutter Ruth ist es nicht anders. Während Ben auf kindlich unbeschwerte Art um den kleinen Bruder trauert, ist Ruth gefangen in einer tiefen depressiven Trauer, welche sie immer mehr und mehr hinunterzieht. Ben findet Ablenkung durch seinen Freund Christophe und erhält liebevolles Verständnis von einem großväterlichen Nachbarn. Ruth hingegen zieht sich zurück, ist allein mit ihrer Trauer, findet keinen Weg aus dieser schmerzlichen Schwärze. Bens Umgang mit seiner Trauer ist mitunter recht amüsant zu lesen, kindlich unbeschwert eben. Fernab von Handy, PC und Internet erlebt man mit ihm eine fast unbeschwerte Kindheit. Ruth täglicher Kampf mit sich ist bedrückend, sie zieht sich zurück, stellt Ben gegenüber eine Unbeschwertheit zu Tage, ganz der erwachsenen Meinung dem Kind ihre Trauer nicht zeigen zu dürfen. Die Abwertsspirale, welche sie umgibt, ist bedrückend greifbar. Ein hoch und tief der Gefühlswelt umgibt sie.

Der Titel passt gut zur Geschichte. Gott doch einfach faul gewesen sein. Für Ben steht das fest, denn wie sonst wäre es möglich, dass er Jonas in so jungen Jahren aus dem Leben gerissen hat. Für solche Gedanken muss man kein Atheist sein. Auch Menschen, die gläubig sind, und einen tragischen Todesfall durchleben wird es ähnlich in ihren Grübeleien ergehen.

Was hat das Coverbild mit dem Titel zu tun? Nun mit dem Titel direkt vielleicht nicht, doch die Rakete findet auch in der Geschichte ihren Platz.

Mein Fazit:

Ein tröstliches Buch der Trauer. Dem Autor ist der Umgang mit ihr und all den verschiedenen Facetten gut gelungen diese zu durchleuchten. Besonders Ben mit seiner kindlichen Art die Dinge zu sehen fand ich sehr tröstlich. Ben zeigt, dass man auch in der größten Trauer lachen und Freude am Leben haben darf. Ein schönes Debüt, dass man nicht in einem durchlesen kann, denn man hat immer mal wieder Momente in denen man verweilen und pausieren muss.


Von mir bekommt das Buch Red roseRed roseRed roseRed rose von Red roseRed roseRed roseRed roseRed rose.

Herzlichen Dank an den Suhrkamp Verlag für dieses persönliche Leseexemplar!

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2 Gedanken zu “Rezension: Stephan Lohse-Ein fauler Gott

  1. Hallo Angelika,
    eine sehr schöne und aussagekräftige Rezension! 🙂 Mit dem Buch hatte ich auch schon geliebäugelt – und nun kommt es auf meine „Unbedingt-Lesen-Liste“. 🙂
    Liebe Grüße von Tina

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