Rezension: Monica Wood–Bevor die Welt erwacht


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Monica Wood – Bevor die Welt erwacht

Roman

464 Seiten

Preis: € 9,99 [D] / 10,30 [A]

Buchinfo Verlagsseite

Verlagstext:

Warum ausgerechnet Ona? Als Quinn die 104-jährige Frau kennenlernt, fragt er sich, was sein zarter, verschlossener Sohn so an ihr mochte. Denn Ona ist kantig, eigensinnig, voller verstecktem Humor — und scheint so gar nichts mit der Welt eines 11-Jährigen zu tun zu haben. Doch jetzt ist der Junge tot, und Quinn voll Wut und Trauer. Nur Ona kann ihm zeigen, wie sein Sohn wirklich war. Quinn begibt sich auf eine ungewöhnliche Entdeckungsreise — zu Onas wilden Geschichten aus dem Leben, zurück zu dem letzten Wunsch seines Kindes und bis zu dem Punkt, an dem aus seiner tiefen Verzweiflung neue Hoffnung wächst.

Mein Eindruck:

Nach den ersten Seiten dachte ich nicht, dass mich in diesem Roman eine derart herzerwärmende Geschichte erwartet. Manchmal witzig, manchmal traurig, aber gut durchdacht ist diese Erzählung in der eine 104-jährige Frau und ein 11-jähriger Junge zu Freunden werden.

Ona lebt zurückgezogen und allein in ihrem Haus. Als der Junge ihr von seinem Pfadfinderführer zugeteilt wird um kleinere Arbeiten für sie zu verrichten, denkt sie erst er ist ein Bub wie jeder andere vor ihm. Wenig hilfreich und arbeitsscheu. Doch der Junge überrascht sie, einerseits mit seiner Höflichkeit und andererseits mit seiner Ausdauer. Und seine Art zu Reden – der Junge liebt Aufzählungen. Und er ist besessen von Rekorden – Guinness Weltrekorden. Eines Tages kommt er mit der Idee zu Ona, mit ihr einen Weltrekord zu schaffen. Was heißt einen, er möchte zwei. Einmal soll sie die älteste Frau werden – dazu muss  sie nur noch etwas mehr als 18 Jahr leben, und ebenso soll sie die älteste aktive Autofahrerin werden. Dazu braucht sie allerdings erst ihre Fahrerlaubnis zurück. Für die Beiden beginnt also eine Mission. Auch bittet er Ona ihre Lebensgeschichte aufnehmen zu dürfen für ein Schulprojekt. Und weil der Junge alles gerne in 10er Schritten hat – 10 Punkte Aufzählung, 10 Tagebücher, 10 Notizhefte usw. –  wird Onas Geschichte in 10 Teilen aufgenommen. Mit der Zeit verbindet Ona eine tiefe Freundschaft mit dem Jungen und erwartet jede Woche sehnsuchtsvoll auf den Samstag. Doch eines Tages steht da nicht der Junge sondern dessen Vater …..

Erst fragte ich mich wirklich, was will denn der Vater von der alten Frau. Sucht er einen Schuldigen, oder was ist da los. Erst allmählich bekommt man auch in Owens Charakter einen tiefen Einblick. Er spielt den Starken, unnahbaren. Doch nach und nach bröckelt diese Fassade und zum Vorschein kommt ein Mann, der seine Vaterrolle versäumt hat. Der seinen Sohn nicht gekannt hat, weil er mit dem einzigartigen Charakter seines Sohnes nichts anfangen konnte, weil dieser so anders war, als er sich das von seinem Sohn erhofft hat. Er hatte kein Interesse an der Musik, für die Owen lebte, für die Owen seine Familie verlies, für die Owen wieder zu seiner Familie zurückkam. In Onas Haus lernt er seinen Sohn erst kennen und nach und nach kommt auch die Trauer um den Sohn und die Trauer darüber, dass er ihm nicht mehr sagen kann wie lieb er ihn hat. Ein Zitat ist mir da sehr zu Herzen gegangen:

“Ich habe mich in ihn verliebt. Das habe ich. Aber erst nachdem er nicht mehr da war” – Seite 445

Auch Belle, die Mutter taucht irgendwann bei Ona auf. Eine Frau,  nur noch ein Schatten ihrer selbst. Um ihrem toten Sohn näher zu sein, beschließen die beiden Elternteile das Vorhaben des Jungen für ihn abzuschließen. Sie wollen Ona für den Jungen in das Guinnessbuch der Weltrekorde bringen.

Die Geschichte ist eine Trauerbewältigung der anderen Art. Nicht nur traurig, sondern auch witzig, rührig und einfach nur schön. Man lernt die drei Menschen Ona, Owen und Belle sehr gut kennen. Der Junge bleibt einfach der Junge, er bleibt kein Fremder, aber doch ein Schatten. Besonders witzig sind die Abschnitte in denen Ona ihre Lebensgeschichte erzählt, denn der Junge meldet sich nie zu Wort. Doch er hat ihr immer mit Gesten oder aufgeschriebenen Fragen zu verstehen gegeben, wenn er etwas nicht verstanden hat oder noch mehr wissen wollte. Das fand ich richtig witzig, denn ich konnte mir die zwei gut vorstellen, wie sie da an Onas Küchentisch saßen. Dort die alte Frau und auf der anderen Seite der Junge, der herumgestikulierte und aufschrieb, wenn ihm etwas durch den Kopf ging und Ona darauf eingehen musste. Da braucht man Phantasie und das ist doch das schöne an einem Buch, dass man sich Situationen im Kopf ausmahlen kann/muss. Witzig auch die Listen die der Junge geschrieben hat. Natürlich immer in 10 Punkten.

Das Cover zeigt den Jungen auf dem Fahrrad und die Vögel mit den Bäumen. Es ist perfekt auf den Moment abgestimmt, indem man vom letzten Weg des Jungen erfährt. Auch der Titel passt zu dieser Szene.

Monica Wood ist mir als Autorin noch nicht bekannt. Doch ihre Art zu schreiben und Geschichten zu erzählen gefällt mir sehr. Sie werde ich auf jeden Fall im Auge behalten.

Mein Fazit:

Eine wirklich schön umgesetzte Geschichte über Trauer, Freundschaft, das Alter und all seine Tücken, und auch darüber, dass es sich lohnt seine Träume nie aufzugeben. Für mich ein herzerwärmendes Leseerlebnis. Ab und zu braucht man das, und genau so ist es mir mit dieser Geschichte ergangen. Und wer wissen möchte ob Ona die Weltrekorde geschafft hat, tja, der muss natürlich dieses Buch lesen!

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Herzlichen Dank an Ullstein Buchverlage und f4230e33-dc37-40d5-a880-10de89c5298b.

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