Rezension: Ellen Marie Wiseman–Die dunklen Mauern von Willard State


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Ellen Marie Wiseman  – Die dunklen Mauern von Willard State

Roman

464 Seiten

Preis: € 9,99 [D] / 10,30 [A] / 13,90 [sFr]

Buchinfo Verlagsseite

Verlagstext:

Zehn Jahre ist es her, dass eine schicksalhafte Nacht für Izzy Stone alles veränderte: Ihre Mutter erschoss ihren Vater während er schlief. Seitdem lebt die nun 17-Jährige bei Pflegefamilien. Als sie für ein Museum Gegenstände ehemaliger Insassen der alten und berüchtigten psychiatrischen Anstalt Willard State Asylum katalogisiert, stößt sie auf einen Stapel ungeöffneter Briefe und das alte Tagebuch einer gewissen Clara Cartwright. Je mehr sie über Claras Leben in Erfahrung bringt, desto mehr klären sich auch die Rätsel ihres eigenen Lebens …

Mein Eindruck:

Irrenhaus, Nervenheilstätte oder psychiatrische Anstalt – egal welche Bezeichnung man dafür verwendet, die Vorstellung einfach so in eine derartige Einrichtung gesteckt zu werden ist beängstigend. In ihrem aktuellen Roman “Die dunklen Mauern von Willard State” erzählt Ellen Marie Wiseman genau von einem solchen Schicksal ….

Als Izzy Stone zusammen mit ihrer Pflegemutter Peg die Verlassenschaften von Patienten der aufgelösten Psychiatrie Willard State sichtet, fällt ihr das Tagebuch von Clara Cartwright in die Hände. Fasziniert und abgeschreckt gleichermaßen, möchte sie mehr über Clara erfahren und aufdecken welches Schicksal sie erlitten hat. Mit gemischten Gefühlen macht sie sich an die Geschichte von der jungen Insassin heran. Ihre Mutter sitzt wegen dem Mord an ihrem Vater im Gefängnis und Izzy hat Angst zu viel an Irrsinn in Carlas Aufzeichnungen zu finden. Denn Izzy ist sich sicher, dass ihre Mutter verrückt geworden ist. Eine andere Erklärung kann das Mädchen für die Tat ihrer Mutter nicht finden …..

Clara Cartwright lebt im New York der 20er Jahr. Sie genießt das Leben, feiert mit ihren Freunden und hofft irgendwann der Enge ihres Elternhauses zu entkommen. Besonders die überalterten Ansichten ihrer strengen Erzieher nagen schwer an ihr. Als sie Bruno kennen lernt verlieben sich die Beiden Hals über Kopf ineinander und schmieden Zukunftspläne. Doch ihrem Vater und der Mutter ist der junge Einwanderer ein Dorn im Auge. Sie haben andere Pläne für ihre Tochter und verbieten ihr den Umgang mit dem jungen Mann. Als Clara mit einem anderen Mann verlobt werden soll, eskaliert die Situation. Sie findet sich in einer Nervenheilanstalt wieder. Sie hofft, dass dies nur ein kurzweiliger Albtraum sein wird und ahnt nicht, welcher beschwerliche Weg noch vor ihr liegt ….

Beängstigend, wie schnell und einfach es in früheren Zeiten den Ärzten gemacht wurde, Patienten einfach weg zuschließen. Unfassbar auch, welchen Torturen die Menschen in Psychiatrien ausgeliefert waren. Dieses Schicksal ereignete sich wohl unzählige Male in der Zeit, in der Claras Geschichte angesiedelt wurde. Vor allem Frauen, die ungehorsam, unbequem oder auf andere Art negativ gegenüber der alles dominierenden Männergesellschaft auffielen, konnte dieses Schicksal ereilen. Ellen Marie Wiseman hat ihren Roman in der Anstalt Willard State angesiedelt. Sie schildert mit welch unmenschlichen Maßnahmen die Insassen gefügig gemacht wurden, welchen Qualen sie ausgeliefert waren und wie wenig Beachtung ihrem Wohlsein gewidmet wurden. Die Erzählung ist sehr Detail genau und gut recherchiert. Genaueres zu den wahren Begebenheiten entnimmt man dem Anhang auf den letzten Seiten.

Erzählt wird das Geschehen abwechselnd zueinander, wobei mich die Geschichte von Clara mehr faszinierte und fesselte. Verpackt wurde diese Seite der Handlung in eine schicksalhafte verbotene Liebe. Die Darstellung der Vorkommnisse empfand ich als sehr bestürzend und sie gingen mir unter die Haut. Nicht nur, dass Clara auf die “Gnade” ihres Vaters angewiesen war, wurde sie von den Ärzten so eingestuft wie verlangt. Mit unfassbaren Mitteln wurde sie gefügig zu machen. Dass Claras Psyche stark genug war dem Wahnsinn nicht zu verfallen, fand ich zwar gerade zum Ende hin nicht mehr so überzeugend, trotzdem fesselte mich die Geschichte sehr.

Izzys Teil liest sich wie das Leben eines amerikanischen Teenagers. Es sind aber auch viele Vorkommnisse eingebaut, die ich schrecklich finde. Eigentlich ist es die Darstellung selbiger die ich schrecklich finde. Es kam der Eindruck auf, dass die beiden Geschichten nicht von ein und der selben Autorin geschrieben wurde. Izzys Geschichte las sich oft wie ein Aufsatz und nicht wie ein Roman, war durchzogen von Wortwiederholungen. Der überwiegende Izzy Part war eine Illustration von Gefühls- und Hormonschwankungen jugendlicher Heranwachsender. Gefühlsmäßig fühlte  ich in einem Highschool Jugendroman gefangen. Richtig tiefe Gefühle konnte ich für sie und ihre beteiligten Charaktere nicht aufbringen. Zu oberflächlich und klischeehaft erschienen mir diese in ihrer Visualisierung.

Das Cover zeigt die Einrichtung Willard State und macht einen überaus romantischen Eindruck. Erst beim Lesen eröffnet sich die ganze Tragweite.

Ellen Marie Wiseman wurde im Bundesstaat New York geboren. Sie interessiert sich sehr dafür, was früher in Psychiatrischen Anstalten vor sich ging. Ein Buch über die Koffer ehemaliger Patienten des Willard State Hospital brachte ihr die Idee für diesen Roman.

Mein Fazit:

Eine Geschichte die mich gespalten zurück lässt. Einerseits gefiel mir die Erzählung und Wiedergabe von Claras Geschichte und fesselte mich sehr. Andererseits fand ich Izzys Teil nicht sehr erfüllend, zu viel Teenie Abklatsch und oberflächlich. Trotzdem ein recht solider Roman für zwischendurch.

Für den Roman gibt es von mir Rote RoseRote RoseRote Rose von Rote RoseRote RoseRote RoseRote RoseRote Rose.

Herzlichen Dank an Piper.

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