Rezension: Harper Lee–Go set a Watchman


 

9781785150289

Harper Lee

Go set a Watchman

Roman

278 Seiten

Buchinfo Verlagsseite

 

Verlagstext:

From Harper Lee comes a landmark new novel set two decades after her beloved Pulitzer Prize-winning masterpiece, To Kill a Mockingbird.

Maycomb, Alabama. Twenty-six-year-old Jean Louise Finch – ‘Scout’ – returns home from New York City to visit her ageing father, Atticus. Set against the backdrop of the civil rights tensions and political turmoil that were transforming the South, Jean Louise’s homecoming turns bittersweet when she learns disturbing truths about her close-knit family, the town and the people dearest to her. Memories from her childhood flood back, and her values and assumptions are thrown into doubt. Featuring many of the iconic characters from To Kill a Mockingbird, Go Set a Watchman perfectly captures a young woman, and a world, in painful yet necessary transition out of the illusions of the past – a journey that can be guided only by one’s own conscience.
Written in the mid-1950s, Go Set a Watchman imparts a fuller, richer understanding and appreciation of Harper Lee. Here is an unforgettable novel of wisdom, humanity, passion, humour and effortless precision – a profoundly affecting work of art that is both wonderfully evocative of another era and relevant to our own times. It not only confirms the enduring brilliance of To Kill a Mockingbird, but also serves as its essential companion, adding depth, context and new meaning to a classic.

Mein Eindruck:

Harper Lees verschollenes nie veröffentlichtes Manuskript geisterte ja schon Wochen vor der Veröffentlichungen durch die Medien. Hochgelobt auf der einen Seite, kritische Stimmen auf der anderen. Für mich spielten beide Komponenten keine Rolle. Ich oute mich mal:  ja,“Wer die Nachtigall stört” habe ich nicht gelesen! Ich konnte mich also ganz  unvoreingenommen auf “Go set a Watchman”  einlassen.

Harper Lee schickt also die erwachsen gewordene Jean Louise “Scout” Finch mit dem Zug  aus der weltoffenen Stadt New York auf Heimaturlaub in das verschlafene Südstaatennest Maycomb. Atticus ist alt geworden, seine Arthritis quält ihn sehr und Tante Alexandra kümmert sich um ihn und seinen Haushalt. Scout macht sich durchaus sorgen um den alten Herren, ist sich aber auch im klaren, dass sie nicht bereit ist nach Maycomb zurück zukommen. Auch wenn da noch Henry ist. Ihr Freund aus Jugendjahren, der ihr einen Heiratsantrag macht. Für Jean Louise beginnt der Urlaub wie immer. Wortgefechte mit ihrer Tante Alexandra, gemeinsame Kirchengänge am Sonntag, Ausflüge mit Hank. Doch eines Tages findet sie ein Papier, dass ihre bisherige Meinung zu ihrem Vater völlig auf den Kopf stellt……

Geschrieben ist der Roman in einem sehr schönen Stil und wunderbar bildhaft. Als Leser hat man besonders von den Landschaften und den verschiedensten Szenarien der Handlung ein klares Bild vor Augen. Die Charaktere dagegen erschienen mir recht unscharf. Außer Tante Alexandra und Onkel Jack. Ihre Ansichten und Meinungen bezüglich sind eindeutig und klar dargestellt. Scout machte zwar einen weltoffenen Eindruck, war aber auch sehr naiv und blauäugig. Atticus und Hank waren zwar keine Rassisten. Gingen aber den bequemen Weg, sich der Gesellschaft anzupassen. Irgendwie bekannt oder?

Aufgebaut ist die Geschichte in mehrere Abschnitte. Großteils schwelt Scout in Erinnerungen an ihre Kindheit. An die Sommer, die sie mit ihrem großen Bruder Jem und Nachbarjungen Dill verbrachte. Aber auch viel geschichtliches und politisches wird in die Geschichte eingebracht. Oft erwähnt die NAACP, die Bürgerrechtsbewegung. Richtig schlau wird man während des Lesens aus diesen Fakten allerdings nicht.

Der Roman hat eigentlich mit der Thematik Rassismus wenig zu tun. Für mich ist es eher ein familiärer Konflikt. Scout ist schlagfertig und modern in ihren Ansichten, während in Maycomb die Zeit stehen geblieben ist. Und, wie es auch im echten Leben oft ist, hat sie sich weit weg von zu Hause weiterentwickelt. Während bei ihrer Familie die politischen Ansichten die gleichen blieben. Am Ende ist als Leser nur eines klar: die geliebte Tochter schwelt in Erinnerungen, entdeckt, dass man in ihrer Familie nicht gegen Rassentrennung ist, verkracht sich mit ihrem Vater um sich zu guter Letzt doch wieder zu versöhnen.

Die Covergestaltung finde ich ganz gut. Wieso man auch den Titel des Vorgängerromans im Hintergrund eingebettet hat? Kann ich nicht beantworten. Hätte die Handlung mehr Umfang, damit meine ich jetzt in Richtung der farbigen Bevölkerung und der Thematik Rassismus, würde der Satz am Coverrücken auch mehr Sinn machen: “Every man’s island, Jean Louise, every man’s watchman, is his conscience.” – “Jedes Mannes Insel, jedes Mannes Wachmann, ist sein Gewissen.” Ein wunderschöner Satz eigentlich, dem ich in der Oberflächlichkeit der Handlung eigentlich keine Bedeutung zuordnen kann. Schade, denn die Autorin hat bestimmt Ahnung wie es sich in den Südstaaten zugetragen hat, vielleicht auch immer noch zuträgt.

Mein Fazit:

Ein ganz nett zu lesende Geschichte, die mir allerdings zu wenig der angepriesenen gutmenschlichen Charaktere aus “Wer die Nachtigall stört” beinhaltet.  Da ich aber eben diesen Roman nicht kenne bzw. gelesen habe, hatte ich auch keine Erwartungen und wurde diesbezüglich auch nicht enttäuscht. Muss man das Buch gelesen haben? Nein! Besonders Kenner von “Wer die Nachtigall stört” könnten enttäuscht werden.

 

Von mir bekommt die Geschichte Rote RoseRote RoseRote Rose von Rote RoseRote RoseRote RoseRote RoseRote Rose, weil die Herausforderung  den Roman im Englischen Original zu lesen, eine zusätzliche Rose wert ist!

Herzlichen Dank an Penguin Random House und an logo_normal.

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