Thomas Raab–Still: Chronik eines Mörders


 

9783426199565

Still: Chronik eines Mörders – Thomas Raab. Als ich dieses Buch das erste mal in den Händen hielt dachte ich erst mal nicht daran, dass es sich bei dem Autor um diesen Thomas Raab handelt der dem Metzger seine Figur verpasste. Aber der Roman ist eben von diesem Thomas Raab. Dass der Mörder am Ende sterben wird, erfährt man schon zu Beginn der Handlung. Das ist eher untypisch, passt aber zum Ablauf und Aufmachung der Geschichte.

Die Hauptfigur Karl Heidemann ist speziell. Schon als Baby hat er einen schweren Start in das Leben. Er schreit sich die Seele aus dem Leib und niemand versteht ihn. Seine Mutter verzweifelt an dem kleinen Schreihals, erst sein Vater findet durch Zufall die Lösung für Karls Problem: völlige Ruhe. Diese findet er fortan in einem umgebauten Kellerbereich des Elternhauses. Seine Mutter mästet ihn regelrecht um ihn ruhig zu halten und erdrückt ihn mit ihrer unbeugsamen Liebe. Die Dorfbewohner machen sich lustig über sein Anders-sein, nur zu seinem Vater hat er Vertrauen. Als seine Mutter sich eher unfreiwillig das Leben nimmt, macht Karl eine ungewöhnliche Entdeckung: sie sieht so friedlich aus in ihrem stillen Schlaf. Für ihn steht fest, dass der Tod nichts schreckliches ist, sondern Frieden für Menschen bringt und es gibt so viele von ihnen, die diesen Frieden verdient haben…

Karl ist eine Hauptfigur die verschiedenste Gefühle in mir ausgelöst hat. Karl, das Kind, möchte man beschützt wissen vor den bösartigen Dorfbewohnern und der Welt da draußen. Dass er zum Mörder wird geschieht auf so sanfte ruhige Art, dass man erst gar nicht böse sein kann. Ich hatte noch nie Mitleid mit einem Psychopaten, Karl hat es geschafft diese und andere Emotionen in mir abzurufen, aber keine in der ich ihn wirklich als widerlichen kranken Mörder gesehen hätte. Der Roman hat mich über längere Zeit beschäftigt. Es war mir nicht möglich die Geschichte in einem durchzulesen, denn ich braucht immer mal wieder eine Pause um das Gelesene zu verarbeiten und den Charakter Karl Heidemanns zu analysieren. Seine Handlungen verstehen gelernt habe ich nur in gewisser Weise. Mit der Zeit kamen auch immer mehr Aspekte in die Handlung dazu, sei es aus religiöser Sicht, Schuld-Unschuld, Gut-Böse. Was ist richtig, was ist falsch? Karl wollte aus seiner Sicht immer das Richtige tun, zum Schluss hat er das auch getan. Das Ende überraschend aber gut, versöhnlich und traurig zugleich. Eine großartige Erzählung in der der Tod etwas Ästhetisches hat.

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