Hörbuchrezension: Toni Morrison-Gott, hilf dem Kind

Unbenannt

Toni Morrison – Gott, hilf dem Kind

Gelesen von Nina Kunzendorf

Ungekürzte Lesung

4 CDs ; Laufzeit 4 h 44 min

Preis: € 19,95 [D] / 19,99 [A]

Hörbuchinfo Verlagsseite


Verlagstext:

Lula Ann ist solch ein tiefschwarzes Baby, dass ihre Mutter bei der Geburt fast zu Tode erschrickt und der Vater die junge Familie verlässt, weil er das Kind nicht als seines anerkennen kann. Die Mutter zieht Lula Ann allein groß und lehrt sie Gehorsam und Unterwürfigkeit. Doch die heranwachsende Tochter sträubt sich gegen die verordnete Angepasstheit. Sie ändert ihren Namen, kleidet sich in strahlendes Weiß, macht Karriere und befreit sich auf ihre Weise von der Vergangenheit. Zwei starke Frauen, zwei verschiedene Arten, sich zu schützen und gleichzeitig zu behaupten.


Mein Eindruck:

Wie reagiert eine Mutter, die es aufgrund ihrer Hautfarbe selber nicht immer leicht hat im Leben und in der Gesellschaft. Die weiß, dass was Rassismus ist. Die weiß, dass man sich nur durch anpassen, unterwürfig und gehorsam sein schützen kann. Wie reagiert nun diese Mutter, als sie merkt, dass ihr Baby nicht nur braun ist, sondern tiefschwarz. Sweetness ist entsetzt, kann es sich selber nicht erklären. Ihr Mann wirft ihr vor, ihn hintergangen zu haben, denn nie und nimmer kann dieses rabenschwarze Baby von ihm sein. Sweetness zieht also die kleine Lula Ann alleine groß. Schlägt sich mehr oder weniger gut durch das Leben und erzieht das Mädchen. Lula Ann wächst zu einer wunderschönen Frau heran, die sich von ihrer Mutter löst und in Kalifornien Karriere macht. Sie ändert ihren Namen in Bride, kleidet sich nur noch in Weiß und erhält durch diesen Kontrast zu ihrer tiefschwarzen Hautfarbe und ihrem atemberaubenden Aussehen Bewunderung und Anerkennung. Auch ihre große Liebe findet sie dort. Doch eines Tages verlässt Brooker sie mit den Worten “Du bist nicht die Frau die ich will.” Das ist der Moment in dem Bride’s glamouröse, taffe Fassade zu bröckeln beginnt und man sich als Zuhörer fragt, was steckt hinter dieser Aussage. Was ist da passiert? Was ist das für ein Mann, der die Frau, mit der er das Bett teilt, mit solchen Worten von sich stößt und einfach verschwindet?

Aufgebaut ist die relativ kurze Geschichte in mehrere Teile. Den Anfang macht Sweetness mit ihren Gedanken und Eindrücken zu Lula Ann. Wie sie gemerkt hat, dass das Baby anders ist und welche Überlegungen ihr durch den Kopf gingen, als sie sah wie sich die Farbe des Kindes verändert hat und es immer dunkler wurde. Wie der Vater darauf reagierte und wie sie sich schließlich mit Lula Ann allein durchschlug. In einer sozialen Schicht, wo man aufpassen muss, dass man nicht unter die Räder kommt. Geliebt hat sie Lula Ann wohl auf ihre ganz eigene Art, gezeigt hat sie das aber doch nicht. So war zumindest mein Eindruck. Eine Art Schutz für sich und für Lula Ann?

In Lula Anns Teil begibt man sich auf Spurensuche in die Vergangenheit. Auslöser dieser Spurensuche, ist ein gewaltsamer Übergriff an Lula Ann und das Verschwinden ihres Geliebten. Lula Anns Handlung kann man zu Beginn nicht nachvollziehen. Wieso tut sie, was sie tut? Erst allmählich dringt man zum Kern ihrer persönlichen Geschichte vor und alles lichtet sich. Man erfährt, was sich in ihrer Kindheit zugetragen hat und warum sie als Kind getan hat, was sie getan hat. Was, wie man später dann auch erfährt der Grund für Bookers Verschwinden ist.

Auf ihrer Suche nach Booker und auch nach sich selbst, lernt  sie die unterschiedlichsten Menschen kenn, mit all ihren Sorgen und Nöten. Und Bride muss feststellen, dass auch im Leben von Kindern und Frauen die nicht ihre Hautfarbe haben, nicht alles gut läuft. Dass auch die sich im Leben behaupten müssen und oft noch schlimmeres durchlebten als sie. Am Ende findet sie nicht nur Booker und die Erklärung zu seinem Verschwinden, am Ende findet Bride aber auch zu sich selber, nachdem sie ihr Leben quasi rückwärts aufgearbeitet hat.

Der Literaturnobelpreisträgerin Toni Morrison hat mit “Gott, hilf dem Kind” eine Geschichte geschrieben, die sich nicht einseitig nur um Rassendiskriminierung dreht. Nichts ist nur schwarz und weiß. Neben Bride und Sweetness erzählt die Geschichte auch noch von anderen Frauen unterschiedlichsten Alters, und von Brooker. Jeder hat etwas erlebt, jeder hat etwas zu sagen und kein Leben gleicht dem anderen. Toni Morrison gibt den unterschiedlichsten Charakteren in dieser Erzählung eine Stimme. Man erfährt was sie bewegt, was ihnen zugestoßen ist.

Nina Kunzendorf mag ich als Sprecherin sehr. Ihre Stimme passt zu der Handlung und zu den Charakteren. Sie versteht es, ihre leicht nuschelige Sprechweise (zumindest empfinde ich sie als leicht nuschelig) gut einzusetzen.

Das Cover passt zur Geschichte. Es zeigt die junge hübsche tiefschwarze Frau, die sich in ihrem weißen Kleid von dem hellen Hintergrund gut abhebt. Der Titel “Gott, hilf dem Kind” kommt auch am Ende der Erzählung vor.

Mein Fazit:

Eine tolle Geschichte, zu dessen Kern man erst langsam vordringt. All die Fragen, die sich einem anfangs stellen, werden nach und nach beantwortet. Wie immer im Leben ist auch hier nicht alles nur schwarz und weiß. Ein Ereignis ausgelöst durch einen schrecklichen Fehler in der Vergangenheit, bringt die Geschichte ins Rollen. Überraschende Wendungen, aber auch bedrückende Wahrheiten, nicht nur in Brides Leben, vereinen sich und öffnen den Blick auch auf die anderen Charaktere.


Von mir bekommt das Hörbuch Red roseRed roseRed roseRed roseRed rose von Red roseRed roseRed roseRed roseRed rose.

Herzlichen Dank an Argon Verlag für dieses persönliche Hörbuchexemplar!

 

 

 

Rezension: Pierre Lemaitre-Wir sehen uns dort oben

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Pierre Lemaitre – Wir sehen uns dort oben

Roman

528 Seiten

Preis: € 12,00 [D] |  12,40 [A] | CHF 16,50

Buchinfo Verlagsseite


Verlagstext:

1919. Der Albtraum des Ersten Weltkriegs ist endlich vorbei, und das geschundene Frankreich versucht krampfhaft, in die Normalität zurückzufinden. Dabei sind die zahlreichen Soldaten, die nun von den Schlachtfeldern heimkehren, oft eher hinderlich. Das erfahren auch Albert und Édouard, der eine schwer traumatisiert, der andere entsetzlich entstellt. Also schmieden sie einen verwegenen Plan, um sich an den vaterländischen Heuchlern zu rächen. Niemand soll ungeschoren davonkommen. Vor allem nicht Offizier Pradelle, jener Mann, durch dessen Machtgier Albert fast ums Leben gekommen wäre und der nun zu einem besonders zynischen Kriegsgewinnler mutiert ist.


Mein Eindruck:

“Wir sehen uns dort oben” war ein absolutes Lesehighlight! Von der ersten bis zur letzten Seite war es ein Genuss diese Geschichte zu lesen. Ein Genuss sowohl im positiven als auch im negativen Sinn, denn die Handlung ist alles andere als genüsslich.

Die Hauptakteure in dieser manchmal doch recht makaber anmutenden Geschichte sind Albert, Édouard und der Offizier Pradelle. Während der letzten Kriegstage kommt der schüchterne Albert beinahe zu Tode. Schuld daran hat Hauptmann Pradelle. Als Albert auf dem Schlachtfeld seltsames entdeckt, ist dies beinahe sein sicherer Tod. In letzter Sekunde rettet Édouard ihn und wird dabei selber schwer verwundet. Fortan sieht sich Alber verpflichtet seinem Retter  und Kriegskammeraden beizustehen. Es entwickelt sich eine seltsam anmutende Freundschaft, die sich für beide nicht immer als einfach gestaltet. Nach dem Krieg ziehen die Freunde zusammen. Das hat naheliegende Gründe, darauf möchte ich aber an dieser Stelle nicht näher eingehen um nicht zu viel von der Geschichte zu verraten. Im Verlauf der Monate nach dem Krieg hat sich Pradell ein eigenes Unternehmen aufgebaut, durch das er sich Reichtum und Anerkennung erhofft. Seine Geschäftsstrategie ist aber alles andere als anständig. Für ihn zählt vor allem sein eigenes auskommen. Derweil fristen Albert und Édouard ein weniger gutes Dasein. Denn Albert musste Édouard das Versprechen geben, seiner Familie nicht zu sagen, dass er den Krieg überlebt hat. Als Édouard eine Geschäftsidee entwickelt um sie aus diesem Elend zu bringen, ist Albert alles andere als angetan. Denn auch Édouard will sich auf Kosten anderer bereichern ……

Schon  nach den ersten paar Seiten wusste ich, dass diese Geschichte etwas Besonderes ist und sie mir gefallen wird. Der Autor versteht es die Situationen bildhaft darzustellen. Das Kriegsgeschehen, die trübe Stimmung und die Verzweiflung der Männer sorgt für ein bedrückendes Gefühl bei Lesen. Im nächsten Moment passiert etwas, dass so ernst ist, aber so komisch dargestellt wird, dass man sich ein Lachen kaum verkneifen kann. Manchmal hatte ich das Gefühl in einer dieser urkomischen französischen Komödien festzustecken, deren Handlung zwar ein ernstes Thema in sich hatte, aber so groteske Szenen und Dialoge bot, dass man einfach nur lachen muss. Auch wenn der Roman einiges an Situationskomik zu bieten hat, ist er doch auch sehr ernst. Man liest über Korruption auf der einen Seite –  Geld war schon immer ein Wegebner. Auf der anderen Seite sind die Kriegsheimkehrer, die Verwundeten, die Krüppel, die psychischen Wracks. Um sie schert sich niemand, sie müssen selber schauen wie sie zurecht kommen. Pierre Lemaitre hat diesen Spagat der Gesellschaft gut dargestellt und auch wenn sich neben Pradelle auch die beiden Freunde Albert und Édouard auf skurrile Art bereichern, kann man den beiden gar nicht mal böse sein.  Selten habe ich einen Roman gelesen, dessen Protagonisten ich allesamt als gelungen bezeichnen würde. Pierre Lemaitre ist dies in “Wir sehen uns dort oben” aber gelungen. Sowohl die Sympathieträger Albert und Édouard, als auch Widerlinge wie Pradelle und all die anderen dubiosen, netten, liebenswürdigen käuflichen, deprimierten, verzagten Charaktere sind gut durchdacht und verkörpern die ihnen angegebene Rolle zu 100 Prozent. Pierre Lemaitre wurde in Frankreich für diesen Roman mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet. Das Buch erschien bereits 2014 als deutschsprachige Ausgabe. Ich bin erst in diesem Jahr durch die Taschenbuchausgabe darauf aufmerksam geworden.

Das Cover finde ich auch sehr gelungen. Auf der einen Seite der junge Mann, der mit geschlossenen Augen auf dem Stuhl ruht und dann der andere Mensch ohne Gesicht, nur die Beine sind zu sehen. Sehr passend für Albert und Édouard.

Mein Fazit:

Das Ende makaber, aber passend. Eine lange nachhallende Geschichte. Besonders Édouards Part hat mich schockiert und fasziniert. Alber der liebenswürdige Jüngling, verzweifelter Freund, über ihn muss ich schmunzeln. Tage später geistern mir die beiden immer noch im Kopf herum. So soll es sein!


Von mir bekommt der Roman Red roseRed roseRed roseRed roseRed rose von Red roseRed roseRed roseRed roseRed rose.

Herzlichen Dank an den btb Verlag für das persönliche Leseexemplar!



Ofenpaprika-Tomatensauce für Pasta usw.

Heute hatte ich totale Lust aus den Paprikas, die schon seit einigen Tagen darauf warten verarbeitet zu werden, etwas machen. Mir schwebte eine Sauce vor, die sich sowohl für Pasta aber auch für andere Gerichte verwenden lässt. Bei den beiden Mädels von Rezepte mit Herz bin ich dann auf eine Ofentomatensauce gestoßen. Die kann man doch ganz wunderbar abwandeln dachte ich mir. Und so ist daraus meine Ofenpaprika-Tomatensauce geworden.

IMG_20170617_152704Die Farbe allein ist schon der Knaller, geschmacklich erinnert sie mich an ein mildes Ajvar, obwohl ich natürlich schon ein paar Chiliflocken rein gemacht habe. Aber für unser Schärfe-Wohlsein passt es so ganz gut. Ich hab die Sauce im Thermomix gemacht, doch kann man sie sicher auch in einem Pürierstab und im Kochtopf weiterverarbeiten. Da ich für die Sauce das Backrohr anschmeißen musst, suchte ich auch gleich noch nach einem leckeren Backrezept. Fündig wurde ich da im Kleiner Kuriositätenladen von Steph. Die Kräuter-Feta-Muffins haben mich da regelrecht angesprungen. Das Rezept dazu gibt’s ein anderes mal. Jetzt erst mal die Ofenpaprika-Tomatensauce:

Zutaten für ca. 400 ml:
  • je 1 große rote und gelbe Paprikaschote – geputzt und in grobe Stücke geschnitten
  • je 1 rote und gelbe Spritzpaprika – geputzt und in grobe Stücke geschnitten
  • 150 g Kirschtomaten – geputzt und Stielansatz entfernt
  • Knoblauchzehen – je nach Größe und Gusto (bei mir waren es 4 mittelgroße)
  • 1 mittelgroße gelbe Zwiebel – geschält und in grobe Stücke geschnitten
  • 1 Frühlingszwiebel – geputzt und in grobe Ringe geschnitten
  • 4 Zweige frischer Thymian
  • 2 Zweige frischer Rosmarin
  • 1 TL Chiligewürz (selbstgemachte Würzmischung aus scharfen Paprika, Kümmel, Pfeffer, Salz, Piment)
  • Salz, Pfeffer
  • 2 EL gutes Olivenöl und 2 EL Honig
  • später:  200 ml Wasser und 2 EL Balsamico Essig
  1. Gemüse und Kräuterzweige auf einem Backblech verteilen.
  2. Gewürze, Salz und Pfeffer, sowie das Olivenöl darüber geben und alles gut durchmischen.
  3. Im Ofen bei 180 ° Umluft ca. 40-45 min rösten bis das Gemüse eine schöne Farbe angenommen hat und weich ist.
  4. Danach kommt das Gemüse in den Thermomix. Vorher den Knoblauch aus der Hülle quetschen. Die Kräuter entfernen.
  5. Gemüse mit Wasser und Balsamico im Thermomix 10 sec / Stufe 10 pürieren.
  6. Anschließend die Sauce 12 min / 100 ° / Stufe 2 ohne Messbecher einkochen.
  7. Abschmecken, abfüllen, fertig!

Mmmh ja die Sauce ist wirklich köstlich geworden. Das nächste Mal mache ich gleich etwas mehr für den (Winter)Vorrat. Winter in Klammer, denn ich bin mir nicht sicher, ob die Sauce bei uns so lange überlebt Open-mouthed smile.


Hörbuchrezension: Darcey Bell-Nur ein kleiner Gefallen

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Darcey Bell – Nur ein kleiner Gefallen

A Simple Favor

Gelesen von Tanja Geke

Bearbeitete Fassung

6 CDs ; Laufzeit 419 min.

Preis: € 20,00 [D] / 19,99 [A]

Buchinfo Verlagsseite


Verlagstext:

Emily hat alles, was man sich wünschen kann: einen glamourösen Job in New York, ein geschmackvolles Haus und einen attraktiven Mann. Und eine beste Freundin: Stephanie, die sie für all das bewundert. Als Emily Stephanie bittet, ihren Sohn Nick für sie von der Schule abzuholen, tut sie ihr diesen Gefallen gerne. Doch niemand kommt, um Nick wieder bei ihr abzuholen – und Stephanie ist außer sich vor Sorge. Aber je länger Emily verschwunden bleibt, desto mehr entdeckt Stephanie die Situation als Chance für sich  ….


Mein Eindruck:

Einen schnellen Einstieg in die Geschichte erlebt man in diesem Roman. Stephanie schreibt vom Verschwinden ihrer besten Freundin Emily auf ihrem Mom-Blog. Das fand ich schon mal sehr interessant. Kein Prolog, kein langes Vorspiel. Als Zuhörer ist man gleich mitten in der Geschichte. Stephanies Erzählungen lassen schon einiges an Raum für Vermutungen aufkommen. Ist Emily nur verschwunden oder wurde sie ermordet? Von ihrem Ehemann? Sie erzählt von ihrer tiefen Freundschaft zu Emily, doch ihr Mann scheint Stephanie nicht einmal zu kennen, so zumindest der Eindruck. Spielt sich die ganze Geschichte möglicherweise nur in Stephanies Kopf ab? Erträumt sie sich irgendetwas um aus ihrem einsamen Dasein herauszukommen? Fragen über Fragen bereits auf den ersten Hörabschnitten. Viele dieser Fragen klären sich mit der Zeit, doch kommen neue hinzu. Neue Hinweise und Wendungen machen die Geschichte spannend. Durch Rückblicke und die Blogeinträge erfährt man vor allem viel über Emily, aber auch Stephanies Charakter wird klarer. Beide sind nicht wirklich sympathisch, eher oberflächlich, so bekommt man zu ihnen auch keine rechte Verbindung. Auch Sean, der Ehemann, ist kein Sympathieträger. Geschickte sind Verdrehungen und Wirrungen in die Handlung eingebaut und lassen einiges an Raum für Spekulationen und Eventualitäten. Irgendwann ist aber dann doch klar in welche Richtung sich die ganze Geschichte entwickelt, die Lösung ist greifbar und leider sind der Autorin dann auch die Überraschungen ausgegangen. Die Idee war gut, die Umsetzung war auch nicht schlecht, hat aber eben dann doch etwas nachgelassen.

Tanja Gerke hat eine ganz tolle Stimme, die auch die Stimmung in dem Roman ganz gut wiedergeben konnte. Ihr hört man gerne zu.

Das Cover ist recht schlicht gehalten. Die gesichtslose Frauengestalt passt auch zu den weiblichen Charakteren. Zu ihnen, aber auch zu allen anderen Personen war man eher distanzierter Beobachter. Die stärkste Gefühlsregung zu ihnen meinerseits war Unglaube gegenüber dem ein oder anderen Gesagten, Gedachten oder Verachtung gegenüber der Taten. Das Cover zeigt diese Distanziertheit zu den Charakteren also sehr gut.

Mein Fazit:

Ein guter Roman der nur die eine Schwäche hat, dass man als Zuhörer recht bald weiß in welche Richtung sich die Geschichte dreht. Auch wenn die Autorin noch versucht hat durch Drehungen und Wendungen, die Lösung hinauszuzögern, ist die Auflösung am Ende doch zu einfach und problemlos von statten gegangen. Tanja Gerke hat aber das Beste aus der Geschichte herausgeholt.


Von mir bekommt das Hörbuch Red roseRed roseRed rose von Red roseRed roseRed roseRed roseRed rose.

Das Hörbuch wurde mir für eine Leserunde in der lesejury_baseline von Bastei Lübbe zur Verfügung gestellt. Herzlichen Dank dafür!


Rezension: Jo Nesbo-The Thirst

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Jo Nesbo – The Thirst

Thriller

538 Seiten

Preis: 20 £

Buchinfo Verlagsseite


Verlagstext:

THERE’S A NEW KILLER ON THE STREETS…
A woman is found murdered after an internet date. The marks left on her body show the police that they are dealing with a particularly vicious killer.

HE’S IN YOUR HOUSE… HE’S IN YOUR ROOM
Under pressure from the media to find the murderer, the force know there’s only one man for the job. But Harry Hole is reluctant to return to the place that almost took everything from him. Until he starts to suspect a connection between this killing and his one failed case.

HE’S OUT FOR BLOOD
When another victim is found, Harry realises he will need to put everything on the line if he’s to finally catch the one who got away.


Mein Eindruck:

Nicht mein erster Thriller von Jo Nesbo, aber mein erster Harry Hole. Ich hab schon viele begeisterte Stimmen über den Ermittler gehört und war daher sehr gespannt ob ich dem Roman überhaupt folgen kann, da es sich ja bereits um den 11. Fall handelt. Und ja, ich konnte!

Harry stößt in diesem Thriller erst später zu der Truppe, die den Fall des grausamen Mordes an einer jungen Anwältin bearbeitet. Katrin Brett und ihr Team folgen schon einigen Spuren. Die Tötungsmale des Opfers deuten auf einen Vampiristen hin. Das Tötungswerkzeug konnte der Forensiker Bjorn Holm auch bereits identifizieren. Doch die Ermittler stehen unter starkem Druck. Niemand weiß, ob es sich um eine Einzeltat handelt oder ob möglicherweise ein Serienkiller unterwegs ist. Besonders ihr eigenen Vorgesetzter, Polizeichef Mikael Bellman, erwartet Ergebnisse. Dieser hat großes vor in seiner Laufbahn und kann es sich nicht leisten, dass dieser Fall den Bach hinunter geht. Also bittet er Harry Hole zurück zukommen. Sein letzter (ungelöster) Fall hat ihm psychisch und physisch den Rest gegeben und so wurde er Versetzt und unterrichtet seit dem an einer Polizeiakademie. Auch wenn er immer noch nicht ganz der Alte zu sein scheint, übernimmt er parallel zum anderen Team den Fall mit einer eigenen von ihm ausgesuchten Truppe. Zusammen mit Bjorn Holm, seinem alten Freund Stale Aune, Anders Wyller – einem jungen Detektiv, und Hallstein Smith – einem Psychologen, macht er sich daran, den Mörder zu Stoppen ……

Nesbo versteht es von der ersten Seite an, die Spannung hoch zu halten. Als Leser ist man allen Beteiligten sehr nahe. Besonders bedrückend wird diese Nähe, wenn der Mörder auf der Jagd nach seinem nächsten Opfer ist. Diese Szenen sind lassen einen schon mal das Atmen vergessen. Geschickt wechselt der Autor zwischen den Akteuren in diesem Thriller. Für mich als “Nicht-Harry-Hole-Kenner” waren die vielen Namen erst mal schwierig zu merken. Doch in meinem Lesefluss störte es mich dann doch nicht. Auch empfand ich die abschweifenden Ereignisse in das Privatleben einiger beteiligter Personen in keiner Weise als störend oder langatmig. Im Gegenteil. Sie brachte mir die Charaktere noch näher und ich konnte mich in jeden einzelnen noch besser hineinversetzen. Egal ob sympathisch oder unsympathisch, jeder einzelne Typ war gut durchdacht und entsprach auf einzigartige Art seiner zugeteilten Rolle.

Mein Fazit:

Auch wenn mir die Thriller rund um Harry Hole nicht bekannt sind, war der Einstieg mit Fall Nr. 11 kein Problem. Der Autor zeichnet Harry Hole, seine Persönlichkeit und sein Privatleben so gut kurz und knapp nach, das man von ihm auch bei einem späteren Einstieg in die Serie ein klares Bild vor Augen hat. Ein wirklich gelungener Thriller, der alles bietet, was man sich als eingefleischter Thriller-Leser wünscht. Auch die englische Übersetzung ist gut zu lesen und gut zu meistern. Gerne gebe ich für dieses Buch eine Leseempfehlung!


Von mir bekommt der Thriller Red roseRed roseRed roseRed roseRed rose von Red roseRed roseRed roseRed roseRed rose.

Das Buch wurde von Penguin UK für eine Leserunde auf lb-logokostenlos zur Verfügung gestellt – herzlichen Dank dafür!





Rezension: José Pizarro–Baskisch

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José Pizarro – Baskisch

Rezepte aus San Sebastián, Bilbao und Umgebung

256 Seiten

Preis: € 29,95 [D] / 30,80 [A]

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Buchinfo Verlagsseite


Verlagstext:

 

Der bekannte spanische Koch José Pizarro nimmt uns mit auf eine kulinarische Reise durch das Baskenland. Denn neben wunderschönen Landschaften und atemberaubender Architektur findet man in San Sebastian, Bilbao und Umgebung einige der besten Restaurants der Welt.

85 Rezepte und typische Menüs zeigen das breite Spektrum der baskischen Küche – von traditionell bis modern, von kleinen Pintxos bis zu himmlischen Desserts. Dieses Buch vereint alles, was das Baskenland zu bieten hat, und holt das einmalige Lebensgefühl und Genießertum des Südens in die heimische Küche.


Mein Eindruck:

Dieses Kochbuch entführt mich in eine Region der Iberischen Halbinsel, die ich nur aus Bildern kenne: das Baskenland. Schon das Cover macht neugierig auf seinen Inhalt. Es ist so voller Farbe und Sommer, da kann man sich bereits in den Urlaub träumen. Auch kulinarisch hat das Buch einiges zu bieten. José Pizarro ist unter Kennern der Branche kein Unbekannter. In London ist er bekannt für seine hervorragende aber bodenständige spanische Küche. Dieses bodenständige kochen findet sich auch in diesem Kochbuch wieder.

IMG_20170525_121619Die Rezepte sind recht simpel und ohne viel chichi. Ebenso die Gestaltung. Keine auf Hochglanz aufgemachten Rezeptfotos, einfach und schön. Mal sind typische Lebensmittel oder die Gerichte abgebildet, mal die Landschaft oder Tiere und natürlich fehlen auch die Menschen nicht. So einfach und heimatverbunden wie die Basken auch sind, auf Qualität der Lebensmittel und den Rezepten wird sehr viel Wert gelegt. Das merkt man den Rezepten auch an. José Pizarro kocht nicht einfach nur die baskische Küche nach, er gibt den Rezepten auch seine ganz eigene Note. Nett sind die Anekdoten zu lesen, welche den Rezepten voran gestellt sind. Zu jedem einzelnen hat sich der Koch seine Gedanken gemacht und man erhält auch den ein oder anderen Geheimtipp, in welchem Restaurant oder welcher Bar dieses oder jenes Gericht am Besten schmeckt. War man noch nie im Baskenland so wie ich, bekommt man nach diesem Kochbuch nicht nur Lust auf die baskische Küche, nein, man möchte am Liebsten gleich die Koffer packen und sich selber in dieses Land begeben.

Sukulaki – Typisch Baskisches Rinderragout – Seite 50

Wie bereits erwähnt, sind die Gerichte recht simpel, aber immer mit dem gewissen Etwas. Die Einteilung der Kapitel passt zum Erscheinungsbild: schlicht und unkompliziert. Unterteilt in nur vier Hauptgruppen: Fleisch, Fisch, Gemüse, Dessert. Ob die Gerichte der drei ersteren Kapitel Haupt- oder Vorspeisen sind, sieht man immer über dem Titel der Speise. Pintxo oder Hauptspeise. Pintxo sind baskische Tapas, kleine Vorspeisen oder Appetitanreger sozusagen. Natürlich ist es nicht leicht alle Gerichte originalgetreu nach zu kochen. Gerade bei Fisch wird es hierzulande schwierig, denn viele Sorten gibt es hier einfach nicht. Aber man kann sie durchaus abwandeln und bekommt baskisch auf etwas andere Art auf den Tisch.

IMG_20170607_181042Auch die Desserts sind sehr einfach, aber raffiniert. Mir persönlich haben es die Eisrezepte angetan. Wie man diese Köstlichkeiten auch ohne Eismaschine hinbekommt, ist in dem Buch auch sehr leicht beschrieben. Ich hab’s probiert! Heraus kam ein wahrhaft cremiges feines Eis.

Erdbeeren mit Minz-Eiscreme – Seite 225

 
Mein Fazit:

Ein wunderschönes Kochbuch mit einfachen Rezepten, die sich nicht nur leicht nachkochen lassen, sondern auch ganz einfach abzuwandeln sind! Nicht nur für Kochprofis eine Bereicherung, auch für all jene, die bodenständige Küche mögen.


Von mir bekommt das Buch Red roseRed roseRed roseRed roseRed rose von Red roseRed roseRed roseRed roseRed rose

Herzlichen Dank an den Hölker Verlag und

 

 

 

Hörbuchrezension: Annette Mingels–Was alles war

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Annette Mingels – Was alles war

Gelesen von Ulrike C. Tscharre

Vollständige Lesung

Laufzeit: 7 CDs ; 457 min

Preis: € 19,99 [D] | € 22,50 [A] | CHF 28,50

Buchinfo Verlagsseite


Verlagstext:

Wo schlägt das Herz einer Familie?

Dass sie adoptiert wurde, weiß Susa seit ihrer Kindheit. Es hat sie nie gestört, schließlich haben sich ihre Eltern ganz bewusst für sie entschieden, sie stets umsorgt und geliebt. Deshalb lässt sie die erste Begegnung mit ihrer leiblichen Mutter auch eher kalt. Doch das Treffen setzt etwas anderes in Bewegung: Plötzlich sehnt sich Susa danach, ihre Brüder und ihren biologischen Vater kennenzulernen. Verrät sie damit ihre Adoptiveltern? Die Frage, was Familie wirklich ausmacht, wird immer drängender.


Mein Eindruck:

Wie begegnet man seiner leiblichen Mutter? Welche Erwartungen hat man und welche Gefühle lösen diese bei einem aus? Susa legt keine großen Erwartungen in dieses erste Treffen. Findet ihre Mutter nett, aber auch sehr ich-bezogen, hat den Eindruck alles muss sich um sie drehen, giert nach Aufmerksamkeit. Und doch erkennt sie sich in diesem Gehabe irgendwie wieder, das sie gehofft hatte mit den Jahren abgelegt zu haben. Ihre Mutter ist ein Lebemensch, genießt das hier und jetzt. Susa ist ihr dankbar für ihre Entscheidung, sie zur Adoption frei gegen zu haben. Sie hat die liebevollsten Eltern bekommen, die sie sich vorstellen kann und noch dazu eine wunderbare Schwester. Doch die Begegnung löst irgendwann auch den Wunsch aus ihre Brüder kennen zu lernen. Den Vater nicht so sehr, denn würde sie damit nicht ihren Papa verraten?

Man durchlebt in dieser Geschichte nicht nur Susas Gefühlswelt was ihre leibliche Mutter anbelangt. Auch wie sie ihren Brüdern begegnet und vor allem den traurigen familiären Verlauf der Handlung. Der Papa wird schwer krank, diese Situation bildet auch einen zentralen Punkt. Wie die Familie und vor allem Susa mit dieser Lebenslage umgeht. Dann ist da noch ihr Partner Henryk mit seinen zwei Töchtern. Nach der Hochzeit kommt noch ein gemeinsames Kind hinzu. Susa möchte weiterhin arbeiten, doch auch Henryk will seine Karriere vorantreiben. Eine schwierige Lage folgt auf die Nächste. Schließlich entscheidet sich Susa doch noch nach ihrem biologischen Vater zu suchen und reist in die USA. Dieses Aufeinandertreffen hat mich etwas verwirrt, entpuppte sich aber dann als gewollte Lüge von Susa. Alles wieder im Fluss. Dieses Treffen veranlasst Susa auch ihre Partnerschaft und ihr weiteres Leben zu überdenken.

Annette Mingels wurde selber als Baby adoptiert. Im Begleitheftchen zum Hörbuch erzählt sie von ihrer Mutter, der ersten Begegnung und den darauf folgenden, welche Gefühle diese bei ihr hervorrief und wie ihre Adoptiveltern mit ihr umgingen, wie sie sich entwickelt hat, der Begegnung mit ihren Brüdern. All diese Komponenten sind auch etwas abweichend in der Geschichte vorhanden.

Ulrike C. Tscharre hat die Geschichte auf ganz wunderbare Weise eingesprochen. Ihrer Stimme hört man gerne zu. Sie versteht es auf recht unspektakuläre  Art und Weise das Geschehen lebendig darzustellen.

Mein Fazit:

Die Autorin hat ihre eigenen Erfahrungen in der Geschichte wunderbar umgesetzt. Vieles darin findet man oft in den eigenen Kreisen wieder, besonders wenn es um Familie geht. Den Wunsch nach Harmonie, alles Richtig zu machen und doch auch mal egoistisch zu sein und nur mal auf sich zu achten. Ein sehr schöner Roman, den man nicht so schnell vergisst.


Das Hörbuch bekommt von mir Red roseRed roseRed roseRed rose von Red roseRed roseRed roseRed roseRed rose.

Herzlichen Dank an der Hörverlag für das kostenlose Hörexemplar!