Rezension: Monica Wood–Bevor die Welt erwacht

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Monica Wood – Bevor die Welt erwacht

Roman

464 Seiten

Preis: € 9,99 [D] / 10,30 [A]

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Verlagstext:

Warum ausgerechnet Ona? Als Quinn die 104-jährige Frau kennenlernt, fragt er sich, was sein zarter, verschlossener Sohn so an ihr mochte. Denn Ona ist kantig, eigensinnig, voller verstecktem Humor — und scheint so gar nichts mit der Welt eines 11-Jährigen zu tun zu haben. Doch jetzt ist der Junge tot, und Quinn voll Wut und Trauer. Nur Ona kann ihm zeigen, wie sein Sohn wirklich war. Quinn begibt sich auf eine ungewöhnliche Entdeckungsreise — zu Onas wilden Geschichten aus dem Leben, zurück zu dem letzten Wunsch seines Kindes und bis zu dem Punkt, an dem aus seiner tiefen Verzweiflung neue Hoffnung wächst.

Mein Eindruck:

Nach den ersten Seiten dachte ich nicht, dass mich in diesem Roman eine derart herzerwärmende Geschichte erwartet. Manchmal witzig, manchmal traurig, aber gut durchdacht ist diese Erzählung in der eine 104-jährige Frau und ein 11-jähriger Junge zu Freunden werden.

Ona lebt zurückgezogen und allein in ihrem Haus. Als der Junge ihr von seinem Pfadfinderführer zugeteilt wird um kleinere Arbeiten für sie zu verrichten, denkt sie erst er ist ein Bub wie jeder andere vor ihm. Wenig hilfreich und arbeitsscheu. Doch der Junge überrascht sie, einerseits mit seiner Höflichkeit und andererseits mit seiner Ausdauer. Und seine Art zu Reden – der Junge liebt Aufzählungen. Und er ist besessen von Rekorden – Guinness Weltrekorden. Eines Tages kommt er mit der Idee zu Ona, mit ihr einen Weltrekord zu schaffen. Was heißt einen, er möchte zwei. Einmal soll sie die älteste Frau werden – dazu muss  sie nur noch etwas mehr als 18 Jahr leben, und ebenso soll sie die älteste aktive Autofahrerin werden. Dazu braucht sie allerdings erst ihre Fahrerlaubnis zurück. Für die Beiden beginnt also eine Mission. Auch bittet er Ona ihre Lebensgeschichte aufnehmen zu dürfen für ein Schulprojekt. Und weil der Junge alles gerne in 10er Schritten hat – 10 Punkte Aufzählung, 10 Tagebücher, 10 Notizhefte usw. –  wird Onas Geschichte in 10 Teilen aufgenommen. Mit der Zeit verbindet Ona eine tiefe Freundschaft mit dem Jungen und erwartet jede Woche sehnsuchtsvoll auf den Samstag. Doch eines Tages steht da nicht der Junge sondern dessen Vater …..

Erst fragte ich mich wirklich, was will denn der Vater von der alten Frau. Sucht er einen Schuldigen, oder was ist da los. Erst allmählich bekommt man auch in Owens Charakter einen tiefen Einblick. Er spielt den Starken, unnahbaren. Doch nach und nach bröckelt diese Fassade und zum Vorschein kommt ein Mann, der seine Vaterrolle versäumt hat. Der seinen Sohn nicht gekannt hat, weil er mit dem einzigartigen Charakter seines Sohnes nichts anfangen konnte, weil dieser so anders war, als er sich das von seinem Sohn erhofft hat. Er hatte kein Interesse an der Musik, für die Owen lebte, für die Owen seine Familie verlies, für die Owen wieder zu seiner Familie zurückkam. In Onas Haus lernt er seinen Sohn erst kennen und nach und nach kommt auch die Trauer um den Sohn und die Trauer darüber, dass er ihm nicht mehr sagen kann wie lieb er ihn hat. Ein Zitat ist mir da sehr zu Herzen gegangen:

“Ich habe mich in ihn verliebt. Das habe ich. Aber erst nachdem er nicht mehr da war” – Seite 445

Auch Belle, die Mutter taucht irgendwann bei Ona auf. Eine Frau,  nur noch ein Schatten ihrer selbst. Um ihrem toten Sohn näher zu sein, beschließen die beiden Elternteile das Vorhaben des Jungen für ihn abzuschließen. Sie wollen Ona für den Jungen in das Guinnessbuch der Weltrekorde bringen.

Die Geschichte ist eine Trauerbewältigung der anderen Art. Nicht nur traurig, sondern auch witzig, rührig und einfach nur schön. Man lernt die drei Menschen Ona, Owen und Belle sehr gut kennen. Der Junge bleibt einfach der Junge, er bleibt kein Fremder, aber doch ein Schatten. Besonders witzig sind die Abschnitte in denen Ona ihre Lebensgeschichte erzählt, denn der Junge meldet sich nie zu Wort. Doch er hat ihr immer mit Gesten oder aufgeschriebenen Fragen zu verstehen gegeben, wenn er etwas nicht verstanden hat oder noch mehr wissen wollte. Das fand ich richtig witzig, denn ich konnte mir die zwei gut vorstellen, wie sie da an Onas Küchentisch saßen. Dort die alte Frau und auf der anderen Seite der Junge, der herumgestikulierte und aufschrieb, wenn ihm etwas durch den Kopf ging und Ona darauf eingehen musste. Da braucht man Phantasie und das ist doch das schöne an einem Buch, dass man sich Situationen im Kopf ausmahlen kann/muss. Witzig auch die Listen die der Junge geschrieben hat. Natürlich immer in 10 Punkten.

Das Cover zeigt den Jungen auf dem Fahrrad und die Vögel mit den Bäumen. Es ist perfekt auf den Moment abgestimmt, indem man vom letzten Weg des Jungen erfährt. Auch der Titel passt zu dieser Szene.

Monica Wood ist mir als Autorin noch nicht bekannt. Doch ihre Art zu schreiben und Geschichten zu erzählen gefällt mir sehr. Sie werde ich auf jeden Fall im Auge behalten.

Mein Fazit:

Eine wirklich schön umgesetzte Geschichte über Trauer, Freundschaft, das Alter und all seine Tücken, und auch darüber, dass es sich lohnt seine Träume nie aufzugeben. Für mich ein herzerwärmendes Leseerlebnis. Ab und zu braucht man das, und genau so ist es mir mit dieser Geschichte ergangen. Und wer wissen möchte ob Ona die Weltrekorde geschafft hat, tja, der muss natürlich dieses Buch lesen!

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Herzlichen Dank an Ullstein Buchverlage und f4230e33-dc37-40d5-a880-10de89c5298b.

Rezension: Gabriele Redden–Die besten Smoothie Bowls

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Gabriele Redden – Die besten Smoothie Bowls

80 Seiten

Preis: € 7,99 [D] | € 7,99 [A] | CHF 11,50

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Verlagstext:

Für einen Tag voller Kraft und Energie

Einfach köstlich! Jetzt werden Smoothies Löffel für Löffel aus der Schüssel genossen. Angereichert mit Nüssen, Getreide, Beeren und anderen Superfoods, sind Smoothie Bowls das Beste, was der Frühstückstisch zu bieten hat. Denn sie stecken voll gesunder Inhaltsstoffe und versorgen den Körper mit allem, was er braucht. Mit diesen Rezepten starten Sie optimal in den Tag und können sich dank der fruchtig-cremiger Kreationen mit Knuspergarnitur auch jederzeit zwischendurch eine Extraportion Energie gönnen.

Mein Eindruck:

Smoothie-Bowls, dieser neue Trend ist mir schon vor einiger Zeit aufgefallen. Smoothies allein sind lecker, doch hält die Sättigung nicht lange an. Müsli mag ich auch sehr gerne. Warum also nicht Smoothie und Müsli miteinander verbinden? Smoothi-Bowls enthalten nämlich neben dem Obstbrei auch noch Sattmacher, die man ganz nach Lust und Laune hineinmixen und dann noch obenauf als Topping, zusammen mit weiteren Obststücken, gibt. Da kann man schon sagen „das Auge isst mit“, denn ein Hingucker sind die Smoothie-Bowls auch. Den Variationsmöglichkeiten sind scheinbar keine Grenzen gesetzt. Am Besten finde ich persönlich immer noch die klassischen Obstkombinationen, vielleicht noch Zucchini und Karotten, aber Salat oder Spinat im Smoothie oder in der Smoothie-Bowl kann ich einfach nichts abgewinnen. Aber jeder wie er will!

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Das Buch ist wirklich schön gestaltet. Schon allein das Titelbild mach Lust auf eine Smoothie-Bowl. Die Rezepte sind ganz einfach nachzumachen und sind für mich persönlich nur eine Inspiration, denn man kann die Bowl ganz nach eigenem Gusto kreieren. Auf jeden Fall sollte man für die Toppings einige Zutaten – wie Nüsse, selbstgemachtes Chrunchy-Müsli (Rezept im Buch), Kerne und Saaten usw. – vorrätig haben. Und man sollte natürlich über einen guten Mixer verfügen. Abwechslung bekommt die Bowl neben dem Obst auch durch Milchalternativen wie Kokos-, Hafer-, Mandelmilch und was es da noch so alles gibt.

Mein Fazit:

Ein wirklich schönes Buch, das Inspiration liefert. Es ist liebevoll gestaltet und die Zubereitung ist Schritt für Schritt angeben. Alles kinderleicht! Als Geschenkbuch vielleicht eine nette Idee, zum Einzug in die erste Wohnung inklusive einer ersten Grundausstattung an Obst und Topping-Zutaten. Die Smoothie-Bowl eignen sich auch sehr gut als schnelles Dessert.

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Herzlichen Dank an den  Bassermann Verlag!

Rezension: Robin Black–Porträt einer Ehe

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Robin Black – Porträt einer Ehe

Roman

320 Seiten

Preis: € 19,99 [D] | € 20,60 [A] | CHF 26,90

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Verlagstext:

Gibt es ein Geheimnis für das Bewahren der Liebe?

Augusta und Owen sind von der Großstadt Philadelphia aufs Land gezogen, wo sie ein ruhiges, einsames Leben führen, Gus als Malerin, Owen als Schriftsteller. Doch ihre Verletzungen konnten sie nicht zurücklassen: Die Malerin hatte eine Affäre, die zwar vorüber ist, aber Gus hat ihrem Mann alles gestanden, und nun versuchen beide, ihre Ehe zu retten. Als in das Nachbarhaus eine neue Mieterin einzieht, ändert sich das stille, isolierte, vorsichtige Leben des Paars. Gus freundet sich mit der geschiedenen Britin Alison schnell an, sie ist ebenfalls Malerin, und Schritt für Schritt wird das Beziehungsgeflecht zwischen den drei Nachbarn enger und vertrauter, aber auch komplizierter. Und spätestens als die junge Nora, Alisons Tochter, eintrifft, droht die Situation zu eskalieren …

Mein Eindruck:

Ein sehr schöner Schreibstil mit dem die Autorin ein Bild einer Ehe formt, wie man sie nach vielen Jahren des Zusammenlebens kennt. Man ist sich vertraut und doch oft fremd. Man spricht miteinander und doch aneinander vorbei. Man ist gekränkt und verletzt und will/kann aber doch nicht voneinander lassen.

„In den letzten Tagen vor seinem Tod besuchte mein Mann Alison jeden Tag.“

Diese Worte bereits zu Beginn der Geschichte machen neugierig, was sich da in Owens und Augustas Leben abgespielt haben muss. Eine Vermutung in eine bestimmte Richtung hat man da natürlich gleich parat. Aber ist es wirklich so einfach?

In einem ruhigen Erzählton schildert Augusta, genannt Gus, was sich in der Zeit bis zum Tod ihres Mannes abgespielt hat. Man lernt sie und Owen sehr gut kennen. Erhält Einblick in ihre Künstler- und Menschenseele, in ihre Ehe, ihre Liebe und auch über den größten Fehler ihrer Beziehung. Nur langsam schraubt sich die Handlung in die Höhe, ohne wirkliche Spannung, aber doch fesselnd. Irgendwann ist man an einem Punkt, da meint man ganz genau zu wissen, was der Krisenherd ist und was dann passiert. Aber so einfach und stereotyp ist es dann doch nicht. Das wäre zu trivial und gewöhnlich! Das Ende ein Drama, unerwartet und auch schockierend.

Das Cover passt zu Augustas und Owens Leben. Der Blick in den Garten, in die Landschaft könnte vom Atelier aus sein. Sehr schön in diese unterschiedlichen Grüntönen.

Robin Black ist mir als Autorin (noch) nicht bekannt. Ihr Erzählstil gefällt mir aber sehr, so ruhig und doch kraftvoll in den Ausdrücken. Einfach schön!

Mein Fazit:

Ein wirklich gelungener Gesellschaftsroman, der die Stärken und Schwächen einer Partnerschaft gut einfängt. Er kommt mit wenigen Charakteren aus. Dieses sind aber alle sehr gut ausgearbeitet und dargestellt, wirkten sehr Lebensecht. Mit August fühlte ich mich sehr verbunden.

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Herzlichen Dank an den Luchterhand-Verlag!

Harriet Evans–Happily Ever After

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Harriet Evans – Happily Ever After

In real life, nothing is ever that simple ….

469 Seiten

Preis: £  8,99

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Verlagstext:

You can’t escape the ties that bind – the past catches up with you no matter how far you try to run ….

This is a story of a girl who doesn’t believe in happy endings. Or happy families. It’s the story of Eleanor Bee, a shy book-loving girl who vows to turn herself into someone bright, shiny and confident, someone sophisticated. Someone who knows how life works.

But life has a funny way of catching us unawares. Turns out that Elle doesn’t know everything about love. Or life. Or how to keep the ones we love safe ….

Absorbing, poingnant and unforgettable, Happily Ever After is a compelling story of a fractured family and a girl who doesen’t believe in love.

Mein Eindruck:

Ein sehr schön zu lesender leichter Roman, ideal für den Sommer. Das Englisch ist gut zu verstehen, auch wenn man nicht so gut darin ist. Der Klappentext gibt die Handlung schon sehr gut wider. Genau das Geschriebene auf der Rückseite erwartet einen beim Lesen. Trotzdem sehr nett. Man lernt Elle und auch ihre Familie, Freunde, Arbeit und ihr Liebesleben sehr gut kennen. Manches ist recht ernst, vieles ist zu komisch. Ein bisschen erinnerte mich Elle an Bridget Jones – chaotisch, ertränkt Kummer in Alkohol und hat ein Faible für ihren Boss. Aber wie heißt es oben so schön: im echten Leben ist nicht alles so einfach …. Genau das vermittelt diese Geschichte. Ein nettes, nicht allzu anspruchsvolles Lesevergnügen für den Sommer.

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Rezension: Emma Cline–The Girls

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Emma Cline – The Girls

Roman

352 Seiten

Preis: € 22,00 [D] / 22,70 [A]

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Verlagstext:

Kalifornien, 1969. Evie Boyd ist vierzehn und möchte unbedingt gesehen werden – aber weder die frisch geschiedenen Eltern noch ihre einzige Freundin beachten sie. Doch dann, an einem der endlosen Sommertage, begegnet sie ihnen: den „Girls“. Das Haar, lang und unfrisiert. Die ausgefransten Kleider. Ihr lautes, freies Lachen. Unter ihnen ist auch die ältere Suzanne, der Evie verfällt. Mit ihnen zieht sie zu Russell, einem Typ wie Charles Manson, dessen Ranch tief in den Hügeln liegt. Gerüchte von Sex, wilden Partys, Einzelne, die plötzlich ausreißen. Evie gibt sich der Vision grenzenloser Liebe hin und merkt nicht, wie der Moment naht, der ihr Leben mit Gewalt für immer zerstören könnte.

Mein Eindruck:

Der Roman ist eine Geschichte über das Erwachsenwerden, über das sich Entwickeln und über Entscheidungen treffen, die mitunter eine fatale Wendung nehmen und ein bitteres Erwachen mitsich ziehen. So wie bei Emma. Natürlich, sie ist ers 14, selber noch ein Kind und steckt mitten in der Pupertät. Fällt Entscheidungen eher aus trotz, denn aus Klugheit. Sie will gesehen werden. So steht es auf dem Klappentext, und so liest man es auch in der Geschichte. Gerne möchte man den Eltern die Schuld dafür geben, dass das Mädchen in diese Sekte geraten ist. Sie sind geschieden. Die Mutter selber auf der Suche nach dem Glück, merkt nicht wie sich Evie immer weiter von ihr entfernt. Geschickt täuscht sie die Mutter. Die Phaszination, welche Evie und auch die anderen Mädchen für Russel empfinden, kann ich gar nicht nachvollziehen. Er war für mich einfach zu unscheinbar um diesen Hipe zu verstehen. Vielleich war das von der Autorin auch so gewollt, denn es ging ja in erster Linie um Evie und ihre Rolle in der Geschichte. Die Sekte, die Gewalt und alles was in dieser Zeit passierte, war nur das Set, die Bühne.

Sprachlich fand ich die Geschichte sehr schön. Sie ist nichts für zwischendurch, gehört doch zu der anspruchsvolleren Kategorie in den Roman Bereichen. Erzählt wird die Geschichte aus Evies Sicht als sie schon eine reifere Frau ist. Abwechselnd in der Gegenwart und in der Vergangenheit. Die Stimmung in beiden Zeitsträngen ist sehr gut eingefangen. Der Großteil der Handlung spielt  in den 1969er Jahren. Hippie, Alkohol, Sex und Drogen, Exzesse und Gewaltausbrüche sind ein prägendes Bild der Geschichte. Befremdlich fand ich, dass Drogen und Alkohol in jedem Haushalt unter den Jugendlichen ganz normal war. Vielleicht waren meine Vorstellung, dass solche Allüren nur in der Stadt vorkommen, doch etwas zu naiv. Positiv schneidet keiner der Charaktere ab. Besonders aber die Jungen und Männer erhalten ein extrem negatives Bild. Sind Mädchen und Frauen wirklich nur Gebrauchsgegenstände für sie gewesen zur damaligen Zeit? Abgesehen von diesen wenigen persönlich Kritikpunkte war die Geschichte aber sehr fesseln.

Das Cover macht einen recht netten Eindruck. Das schöne Mädchengesicht mit der verspielten Blume passt zur Flower-Power-Zeit des Romans, doch sollte man sich davon nicht in die Irre treiben lassen.

Emma Cline ist noch eine recht junge Autorin, der mit diesem Debüt etwas gelungen ist, das ich nicht erwartet hätte, spielt der Roman doch in einer Zeit wo sie noch nicht einmal geboren war. Doch die Menschen, wie sie lebten und wie sie Dinge sahen hat sie sehr anschaulich dargestellt. Man kann die Bilder sehr klar vor Augen.

Mein Fazit:

Ein wirklich toller Roman, mit einer sehr gut durchdachten Handlung und einem erschreckenden Höhepunkt. Die Geschichte hat mich regelrecht mitgerissen und bis zum Schluss nicht mehr losgelassen. Man kann sich kaum vorstellen, wie einfach es sein kann, Menschen – aus welchen Gründen auch immer – in eine solche Abhängigkeit einer Gruppierung zu bekommen. Man liest aber doch heraus, wie wichtig gerade bei Kindern und Jugendlichen ein geordnetes Leben ist. Obwohl auch ein solches nicht immer Garantie dafür ist, dass sie dafür nicht ansprechbar sind.

Für mich persönlich zählt „The Girls“ zu den Lese-Highlights des Jahres! Warum? Weil mich Evies Handeln und das ganze Rundherum auch jetzt, tagelang nach beenden der Lektüre, noch immer nicht loslässt.

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Herzlichen Dank an den Hanser Verlag und lb-logo!

Rezension: Edney Silvestre-Der stumme Zeuge

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Edney Silvestre – Der stumme Zeuge

Kriminalroman

223 Seiten

Preis: € 19,99 [D] | € 20,60 [A] | CHF 26,90

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Verlagstext:

Wo Geld alles ist, zählt das Leben eines Kindes nichts …

São Paulo, Brasilien: Ein kleiner blonder Junge wird mit einer Luxuslimousine von der Schule abgeholt. Minuten später ist der Fahrer des Wagens tot, das Kind in der Gewalt einer Söldnertruppe. Mit der Entführung soll der Vater des Kindes, der mächtige Medienmogul Olavo Bettencourt, zur Aufdeckung eines Korruptionsskandals der brasilianischen Politikelite gezwungen werden. Doch Bettencourt reagiert nicht auf die Forderungen und den Entführern läuft die Zeit davon. Sie bekommen Zweifel: Haben sie den richtigen Jungen in ihrer Gewalt?

Mein Eindruck:

Endney Silvestres Kriminalroman ist nicht wie herkömmliche Krimis. Das macht ihn aber zu etwas Besonderem. Es gibt keinen Ermittler, der das Verbrechen aufdecken will. Die Stimmung in dem Buch ist ganz eigen, durch die Perspektivwechsel und auch durch die Gedankengänge der einzelnen Personen. Als Leser bekommt man so ein gutes Gefühl für die Charaktere – nicht immer in positiven Sinne.

Die Handlung spielt in Brasilien Anfang der 90er Jahre. Das Land ist geprägt von Korruption. Die Reichen werden immer reicher und die Armen immer armer. Erspartes war Wertlos, denn den Menschen wurde der Zugang zu ihrem Geld verboten. Olavo Bettencourt verdankt seinen Reichtum dem Umgang mit hochrangigen Politikern. Gefallen werden eingelöst. Eine Hand wäscht die andere.  Eine Gruppe von Verbrechern sieht in Bettencourt die Chance ans große Geld zu kommen. Da sie an den Medienmogul selber nicht heran kommen, fällt ihr Fokus auf dessen Sohn. Doch etwas geht schief, die Entführer schnappen sich das falsche Kind. Der kleine taubstumme blonde Junge, der Sohn des Haushälterehepaars. Als die Entführer ihren Irrtum merken ist es zu spät. Bettencourt hat seine  Kontakte genutzt. Die Polizei ermittelt in eine andere Richtung, Lösegeld wird keines fließen ….

Der Junge ein Kollateralschaden? Alles läuft auf dieses Szenario hin. Sehr bedrückend und sehr real dargestellt. Wie wenig ein Leben für skrupellose Menschen – sowohl unter den Reichen, wie auch unter den Politikern, der Polizei und den Verbrechern – wert ist. Die Kapitel sind kurz, stellen die unterschiedlichen Gesellschaftsschichten und Milieus, in denen sich die Handlung abspielt, aber gut dar. Die Machenschaften der Oberschicht machen wütend, die Hilflosigkeit der Unterschicht ist bedrückend und traurig.

Mein Fazit:

Vielleicht nicht der spannendste Krimi, aber doch einer der interessantesten. Auch wenn er recht kurz ist, konnte ich mich nicht so schnell von der Handlung losreißen. Sie beschäftigte mich noch längere Zeit. Diese Machenschaften der Höhergestellten. Ihr skrupelloser Umgang mit allem, besonders mit jenen, die ihnen – auf welche Art auch immer – im Weg stehen. Sehr real und eindringlich.

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Herzlichen Dank an den Limes Verlag!

Linda Castillo–Grausame Nacht

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Linda Castillo – Grausame Nacht

Thriller

397 Seiten

Preis: € 9,99 [D] / 10,30 [A]

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Verlagstext:

Wenn ein Tod ungesühnt bleibt

Als der Tornado über Painters Mill in Ohio hinwegfegt, legt er nicht nur die halbe Stadt in Schutt und Asche. Er bringt auch etwas zum Vorschein, das besser in der Erde geblieben wäre. Unter einer eingefallenen Scheune werden die Überreste eines menschlichen Skeletts gefunden. Wer ist der Tote? Und warum lag er jahrelang hier vergraben?

Mein Eindruck:

Von Linda Castillo kenne ich bisher nur die ersten beiden Bände ihrer Burkholder-Serie. Es war faszinierend einen Einblick in diese Religionsgruppe zu bekommen und sich ein Bild von den Amishen zu machen. Auch die dazugehörigen Fälle von Kate Burkholder fand ich richtig gut gemacht. Voller Spannung und menschlicher Abgründe, wie es zu einem echten Thriller gehört. Die Mischung war einfach perfekt.

Nun gibt es bereits den siebten Fall in Painters Mill und ich war entsprechend gespannt auf die Geschichte. Der Titel war schon mal vielversprechend. Auch die Beschreibung im Klappentext findet sich in der Handlung wieder. Leider empfand ich die Story alles andere als spannend. So schnell sich der Tornado entwickelte, so rasch war dieser auch schon wieder vorübergezogen. Mir fehlte da dieses Gefühl, wenn sich etwas zusammenbraut. Das ging alles so schnell und war ebenso schnell wieder vorbei. Klar, alles lag in Schutt, doch die Atmosphäre, die man nach einer solchen Strumwucht erwartet fehlte komplett. Auch waren für mich viele Aktionen in der Handlung nicht nachvollziehbar und unrealistisch. Kate Burkholder kam mir mehr wie eine Superheldin vor, die auch ein Autounfall oder ein Sturz aus großer Höhe nicht stoppen kann. Das Privatleben der Polizistin nahm für mich auch zu viel Raum in der Geschichte ein.

Mein Fazit:

Für mich diesmal wirklich endtäuschend. Wenig Spannung, wenig Atmosphäre. Zu viel unnötige Beschreibungen und Details. Ein spannendes Thrillererlebenis war das nicht!

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